Bismarckturm-Planungen Thüringen
Zehn nicht realisierte Bismarckturm-Projekte
Auf dem heutigen Gebiet von Thüringen wurden fünfundzwanzig Bismarcktürme errichtet. Zehn geplante Bismarcktürme wurden nie realisiert.
In folgenden Orten sollten die Bauwerke gebaut werden:
- Arnstadt
- Brotterode-Trusetal
- Kahla
- Mühlhausen
- Riechheim
- Saalfeld
- Schleiz
- Stadtilm-Hohes Kreuz
- Weida
- Zeulenroda-Triebes
Nähere Angaben zu den Bismarckturm-Projekten in Thüringen
Von Arnstadt bis Weida
1. Planung Bismarckturm Arnstadt
Am 24.03.1895 beschlossen eine "Anzahl Herren und Damen", die sich "in einem hiesigen Gasthause zu einem Mittagessen zuammengefunden hatten", einen Bismarckturm im Arnstadt zu errichten. Zu diesem Zweck wurden 100 Mark gesammelt. Ein "alter Arnstädter" spendete darauf 20 Mark.
Der Bismarckturm sollte im Frühjahr 1902 errichtet werden und 2.000 Mark kosten. Weitere Spendensammlungen wurden bis mindestens Oktober 1901 durchgeführt.
Quellen
- Der Deutsche, Zeitung für Thüringen und den Harz vom 30.03.1895
- Kunsthalle Nr. 1 vom 05.10.1901
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2. Planung Bismarckturm Brotterode-Trusetal
Anfang Februar 1899 plante der Inselsberg-Verein, den vom Verein geplanten Turm als Bismarckturm zu errichten. Am massiven Bauwerk sollte ein Reliefbild von Otto von Bismarck angebracht werden. Spenden wollte man durch Ringstiftungen (siehe auch Bismarckturm-Göttingen unter Finanzierung) erzielen, für eine Summe von 300 Mark sollte ein Turmring in Höhe von 1 m ausgeführt werden.
Im November 1903 wurde auf dem Inselberg in Brotterode ein Bismarckturm geplant. Die Ortsgruppe Tabarz des Thüringerwaldvereins beschloss im Sommer 1905, Spenden für den auf dem Inselberg geplanten Bismarckturm aufzubringen. Die Ortsgruppe Apolda spendete 250 Mark.
Quellen
- Schwarzburg-Rudolstädtische Zeitung vom 08.02.1899
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (Nr. 2, S. 3), Jg. 1905 (Nr. 8, S. 10); Jg. 1907 (Nr. 3, S. 43)
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3. Planung Bismarckturm Kahla
Im Herbst 1899 plante der Stadtrat Kahla, auf dem weithin sichtbaren Dohlenstein (366,40 m über NN) östlich von Kahla einen Bismarckturm oder ein Bismarckdenkmal für den altenburgischen Westkreis zu errichten.
Quellen
- Schwarzburg-Rudolstädtische Zeitung vom 26.10.1899
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4. Planung Bismarckturm Mühlhausen
Am 14.01.1905 stimmte der "Städtische Verein" in Mühlhausen einstimmig für die Errichtung eines Bismarckturmes im Stadtpark (Rieseniger Berg). Im Sommer 1905 spendete ein Bürger 1.000 Mark für den Turmbau. Es wurde ein Entwurf für einen 17 m hohen Bismarckturm mit geschätzten Baukosten von 17.000 Mark erstellt. Im Erdgeschoss des Bismarckturmes sollte ein Restaurant untergebracht werden. Das Projekt wurde nicht verwirklicht.
Im Jahr 1908 wurde ein turmartiges "Haus in der Obstanlage vor dem Stadtwalde für den Gutsbesitzer Herrn Wilhelm Werneburg" von Architekt K. Louis Müller aus Mühlhausen konzipiert und errichtet.
Kurz danach erfolgte die Umbenennung und Umgestaltung des Gebäudes in einen "Bismarckturm" (Bismarckturm Mühlhausen).
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1905 (Nr. 5, S. 6; Nr. 8, S. 10)
- Schwarzburg-Rudolstädtische Zeitung vom 22.06.1905
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5. Planung Bismarckturm Riechheim
Die Riechheimer Berggemeinde beschloss im Herbst 1904, auf dem Riechheimer Berg (513 m über NN) einen Bismarckturm zu errichten, von dem man gute Aussichten "auf preußische, schwarzburg-rudolstädtische, schwarzburg-sonderhausische, meinigsche und weimarsche Lande" hat. Graf Oscar Julius Albert Bopp von Oberstedt stiftete einen "namhaften Beitrag zum Turm."
Im Jahr 1906 änderte die Berggemeinde ihren Beschluss, statt eines Bismarckturmes sollte ein Bismarckdenkmal auf dem Riechheimer Berg errichtet werden.
Am 26.06.1907 wurde auf von der Riechheimer Berggemeinde ein Bismarck-Gedenkstein eingeweiht. Der von Architekt und Bildhauer Baurat Spaete aus Jena entworfene Gedenkstein bestand aus einen Quarzschotter-Block, der von mehreren Muschelkalkfindlingen umgeben war. Auf dem zentralen Steinblock war ein 0,90 m großes Bismarck-Medaillon aus Bronze oder Kupfer angebracht.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (Nr. 11/12, S. 10); Jg. 1906 (Nr. /8, S. 113); Jg. 1907 (Nr. 2, S. 32)
- Seele, Sieglinde: "Lexikon der Bismarck-Denkmäler", Michael Imhof Verlag, Petersberg, 2005, S. 331-332
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6. Planung Bismarckturm Saalfeld
Im Jahr 1905 plante der örtliche Verschönerungsverein den Bau eines Bismarckturmes auf dem Fuchsstein. Die Steine hierzu hatte man bereits gebrochen. Am 23.10.1905 wurden die Pläne konkreter, in einer öffentlichen Versammlung wurde eine 15köpfiger Ausschuss zur Errichtung eines Bismarckturmes gegründet. Der Baufonds betrug bereits 5.000 Mark.
er Ausschuss plante, am 10.10.1906, zum 100jährigem Gedächtnistag an das Gefecht bei Saalfeld, auf dem Fuchsstein eine Bismarcksäule zu errichten.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1905 (Nr. 8, S. 9; Nr. 12, S. 10); Jg. 1906 (Nr. 1, S. 12)
- Schwarzburg-Rudolstädtische Landeszeitung vom 02.07.1903; 17.07.1903; 14.10.1905
- Schreiben der Stadt Saalfeld (Dr. Meinfelder) vom 22.10.1992
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7. Planung Bismarckturm Schleiz
Im Jahr 1900 wurde ein Ausschuss für Bismarckehrung in Schleiz unter Vorsitz von Medizinalrat Dr. Franz gebildet. Der Ausschuss plante den Bau eines befeuerbaren Bismarckturmes. Prinz Heinrich XIV. bestimmte den Standort des Turmes (Oettersdorfer Höhe, Bismarckhain) "wegen der herrlichen Sicht auf diese Höhe".
Am 01.04.1906 wurde auf dem vom Ausschuss aufgekauften Feldgrundstück eine Bismarck-Eiche gepflanzt. In den nächsten Tagen wurden Buchen, Birken und weitere Eichen (davon drei Eichen aus dem Sachsenwald) zwecks Anlage eines Bismarckhains auf dem Grundstück gepflanzt.
Zur Gewinnung von Spenden wurden am 03. und 10. Juli 1910 im Natur-Theater auf dem Herrenberg beim Schützenhaus das Schauspiel "Der Flammenturm - 4 Bilder aus der Stadtgeschichte" (verfasst von einem Schleizer und geleitet von Medizinalrat Dr. Franz) aufgeführt.
Die Grundsteinlegung fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung am 19.10.1913 (Gedenkfeier 100 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig am 18. und 19.10.1913 in Schleiz) statt. Von 11:30 bis 12:00 Uhr zog der Festausschuss für die Bismarckehrung, Schüler der umliegenden Schulen und Mitglieder der lokalen Vereine zur Oettersdorfer Höhe. Am Bauplatz hatten sich bereits die Militärvereine aus Löhma, Oettersdorf und Görkwitz eingefunden.
Medizinalrat Dr. Franz hielt als Vorsitzender eine Ansprache. In die Kassette des Grundsteins wurden u.a. eine Urkunde über die Grundsteinlegung, ein Verzeichnis der Spender ab 1900, verschiedene Zeitungsausgaben und eine Denkmünze zur Erinnerung an die Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig gelegt.
Die obligatorischen Hammerschläge zur Grundsteinlegung führten Dr. Franz (Alldeutscher Verband) als Vorsitzender, Dr. Seyfferth (Stadtgemeindevorstand), Major von Lorck, Taubstummenlehrer Lippold, Landbauinspektor Hirsch, Rendant Schmidt (Schriftführer und Kassierer des Ausschusses) und weitere Personen durch.
Ende Oktober 1913 beschloss der Ausschuss in einer Sitzung, den Turm nach einem Entwurf von Regierungs-Bauführer Kurt Hermstein auszuführen. Die Turmhöhe sollte 16 m (inkl. 2,50 m Böschung) betragen, die Grundfläche des Turmes 6 m x 6 m. Auf 10 m Höhe war ein Zinnenumgang vorgesehen, die Feuerpfanne sollte auf dem Turm in 13,50 m Höhe installiert werden.
Die geschätzten Kosten lagen bei 7.000 Mark, davon waren 4.000 Mark bereits an Spenden gesammelt worden. Ein 5köpfiger Bau-Ausschuss traf die weiteren Vorbereitungen. Die Einweihung des Turmes war für den 01.04.1915 (100. Geburtstag von Otto von Bismarck) vorgesehen.
Anfang 1914 waren die Quadersteine schon von den Landwirten der Umgebung unentgeltlich zum Bauplatz gefahren worden. Weitere Spenden wurden im Juli 1914 vom Männergesangsverein aus Asch, die zu einem Freundschaftsbesuch in Schleiz (anlässlich der Schleizer Liedertafel) weilten und ein Steinmodell des Bismarckturmes in Asch überreichten, an den Ausschuss übergeben.
Ein Oberpostsekretär mit Ehefrau aus Berlin (ehemalige Schleizer) stifteten einen "ansehnlichen Betrag", sodass der Baufonds bis zum 25.07.1914 auf 5.762,49 Mark angewachsen war. Insgesamt wurden 263,70 m³ Steinmaterial (graublauer Kalkstein als rau bossiertes Bruchstein-Mauerwerk, hauptsächlich aus dem Oßwaldschen Bruch in Görkwitz) zum Bauplatz angefahren und dort aufgeschichtet.
Fünf Kostenanschläge von verschiedenen Firmen lagen vor. Der Ausschuss übertrug Bautechniker Schilling aus Ebersdorf (Mindestforderung: 5.296 Mark) die Bauausführung. Vertraglich vereinbart wurde, dass der Bau bis Oktober 1914 fertiggestellt werden sollte. Die anschließenden Böschungsarbeiten sollten in den Wintermonaten ausgeführt werden.
Aufgrund des Kriegsausbruchs im Sommer 1914 ruhten die Bauarbeiten zunächst. Der Ausschuss beschloss in einer Sitzung am 25.09.1914, "den Bau als Notstandsarbeit in Angriff zu nehmen". Die Verhandlungen mit Bautechniker Schilling scheiterten jedoch an einem Punkt im Vertrag, die Bauarbeiten wurden nicht weitergeführt. Die Bauausführung konnte aus finanziellen Gründen nicht an andere Bauunternehmer abgegeben werden.
Der geplante Bismarckturm wurde nie errichtet.
In den 1920er Jahren wurde die im Grundstein eingelagerte Kassette gestohlen. Das Fundament des Turmes sowie der angelegte Bismarckhain wurden im Jahr 1946 zerstört.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1910 (Nr. 7/8, S. 118); Jg. 1913 (Nr. 5, S. 77; Nr. 11/12, S. 171); Jg. 1914 (Nr. 6/7, S. 80)
- Schwarzburg-Rudolstädtische Landeszeitung vom 06.04.1906
- Fürst. Reuß-Geraer Zeitung vom 14.10.1913; 22.10.1913; 04.11.1913; 12.071914; 26.07.1914; 26.09.1914; 01.10.1914
- Schreiben der Stadtverwaltung Schleiz (Uwe Hermann) vom 27.03.1991 und 11.10.1991
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8. Planung Bismarckturm Stadtilm-Hohes Kreuz
Bismarck-Verehrer in Stadtilm planten Ende März 1895, kurz vor dem 80. Geburtstag von Otto von Bismarck, in Stadtilm einen Bismarckturm zu errichten. Der Eigentümer des Gasthauses "Zum hohen Kreuz" bot die kostenlose Überlassung eines Bau-Grundstückes zur Errichtung eines Bismarckturmes an.
Quellen
- Schwarzburg-Rudolstädtische Landeszeitung vom 31.03.1895
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9. Planung Bismarckturm Weida
Im Jahr 1895 regte Bürgermeister Schilling auf einer Bismarckfeier im Schießhaus an, auf der höchsten Stelle des Krippenbergs einen Bismarckturm zu errichten. Eine erste Spendensammlung ergab einen Betrag von 131 Mark, der als Grundstock für den Baufonds dienen sollte.
Bereits am 25.05.1895 lag die Bauskizze des geplanten Bismarckturmes vor. Geplant war 18 m hoher Turm in ausgemauerter Fachwerkbauweise mit einem Bruchsteinsockel von 3,50 m Durchmesser. Über 60 Stufen erreichte man in Höhe von 12,50 m die umlaufende Galerie mit Holzbrüstung.
Die Baukosten wurden mit 1.101 Mark veranschlagt.
Der Eigentürmer des Grundstücks auf dem Krippenberg stellte den Bauplatz unentgeltlich zur Verfügung. Aufgrund steigender Baupreise und nachlassender Spendentätigkeit konnten die Pläne nicht realisiert werden. Im Jahr 1899 versuchte der örtliche Verschönerungsverein, die Pläne zu reaktivieren. Der Verein sorgte dafür, dass vom Friedensrichter verhängte Geldstrafen dem Baufonds für den Bismarckturm zugute kamen.
Bis 1905 war der Baufonds lediglich auf 1.345 Mark angewachsen. Am 15.11.1905 schlug Rentner Albrecht Dix vor, aufgrund des geringen Spendenbetrages ein Bismarckdenkmal statt eines Bismarckturmes in Weida zu errichten. Der Gemeinderat stimmte in seiner Sitzung am 01.12.1905 diesem Vorschlag zu. Darauf kam es zum Streit der Bismarckturm-Befürworter (hauptsächlich in der Altstadt) und den Bismarckdenkmal-Unterstützern (hauptsächlich in der Neustadt), die das Denkmal in der Stadt errichten wollten.
Eine Beschwerde der Turm-Anhänger beim Großherzoglich Sächsischen Direktor in Neustadt führte zu keiner Entscheidung. In einer Versammlung der Bismarckturm-Unterstützer wurde festgelegt, am Turmbau festzuhalten, eine Petition wurde an den Gemeinderat eingereicht.
Am 02.09.1906 wurde in der Anlage vor der (erst 1913 eingeweihten) Bismarck-Schule eine bronzene Bismarckbüste auf einem Unterbau mit drei Treppenstufen eingeweiht.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1906 (Nr. 1, S. 12; Nr. 7/8, S. 110)
- Schreiben der Stadtverwaltung Weida (Herr Häßner) vom 26.11.1991
- Die Osterburg - Eine Publikation des Museums Vereins, Nr. 59, November 2001, S. 1-3 ("Bismarck-Verehrung in Weida")
- Seele, Sieglinde: "Lexikon der Bismarck-Denkmäler", Michael Imhof Verlag, Petersberg 2005, S. 398
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10. Planung Bismarckturm Zeulenroda-Triebes
Anfang 1907 plante die Bismarckhaingesellschaft in Triebes, im Bismarckhain einen Bismarckturm zu errichten.
Letztendlich entschied sich die Gesellschaft für einen 1,20 m hohen Bismarck-Gedenkstein auf einem 0,50 m hohen Granitsockel, der am Rande eines mit einem Holzzaun eingefriedeten runden Platzes errichtet wurde. Die Einweihung des Gedenksteines erfolgte am 26.07.1908.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1907 (Nr. 2, S. 32)
- Schreiben der Stadtverwaltung Triebes (Bürgermeister Helmert) vom 01.10.1991
- Seele, Sieglinde: "Lexikon der Bismarck-Denkmäler", Michael Imhof Verlag, Petersberg 2005, S. 387
Kleine Bildauswahl geplanter Bismarcktürme in Thüringen

Entwurf geplanter Bismarckturm Schleiz

Foto Grundsteinlegung Bismarckturm Schleiz am 19.10.1913

Foto Grundsteinlegung Bismarckturm Schleiz am 19.10.1913

Foto Grundsteinlegung Bismarckturm Schleiz am 19.10.1913

Ansichtskartenmotiv Bismarckdenkmal Riechheimer Berg 1907 (geplanter Bismarckturm wurde nicht ausgeführt)

Ansichtskartenmotiv Bismarckdenkmal in Triebes 1908 (statt ursprünglich geplantem Bismarckturm)

Ansichtskartenmotiv Bismarckbüste in Weida 1918 (statt ursprünglich geplantem Bismarckturm)
