Bismarckturm-Planungen Bayern

Sechs nicht realisierte Bismarckturm-Projekte


Auf dem heutigen Gebiet von Bayern wurden dreizehn Bismarcktürme errichtet. Sechs geplante Bismarcktürme wurden nie realisiert.

In folgenden Orten sollten die Bauwerke gebaut werden:


  1. Erlangen
  2. Kitzingen
  3. Kulmbach
  4. Nürnberg
  5. Wassertrüdingen (Hesselberg bei Dinkelsbühl)
  6. Weibersbrunn-Rohrbrunn

Nähere Angaben zu den Bismarckturm-Projekten in Bayern

Von Erlangen bis Weibersbrunn-Rohrbrunn


1. Planung Bismarcksäule Erlangen

Bereits im Jahr 1899 plante die Erlanger Studentenschaft, in Erlangen eine Bismarcksäule zu errichten. Städtische Behörende, Professoren und Studenten (5 Vertreter) gründeten einen Ausschuss.

Zunächst wurde ein Spendenaufruf ausgearbeitet und anschließend Spenden gesammelt.

Im Jahr 1904 konkretisierte sich das Vorhaben, die Studentenschaft plante die zu errichtende Bismarcksäule auf dem Erlanger Burgberg. Anfang Juli 1904 veranstalteten die Studenten ein Fest, dessen Reingewinn von 800 Mark dem Turmbaufonds zu Gute kam. Weitere Veranstaltungen zugunsten der geplanten Bismarcksäule folgten, am 09.05.1905 wurde von den Studenten "Tell" aufgeführt.

Anfang 1914 waren die Spenden nach 15 Jahren auf rund 20.000 Mark angewachsen. Der Ausschuss plante nun, den Aussichtsturm auf dem Rathsberg abzureißen und einen Neubau (Bismarckturm mit Befeuerungsanlage) nach den Plänen des Universitätsbauassessors Dr. Schmidt zu errichten. Der bisherige Bauplatz auf dem Burgberg wurde jetzt als "ungeeignet" bezeichnet. Durch die Planänderung wollte man die Kosten für Fundamentarbeiten sparen.

Der Ausschuss hoffte, mit dem Eigentümer des sanierungsbedürftigen Aussichtsturmes, dem Gemeinnützigen Verein Erlangen, eine Vereinbarung abschließen zu können, um den Bismarckturm zum 100. Geburtstag von Otto von Bismarck (01.04.1915) einweihen zu können. Der Gemeinnützige Verein sollte Besitzer des Bismarckturmes werden. Der Eigentümer des neuen Bauplatzes, Herr Beckh aus Rathsberg, war mit diesem Vorhaben einverstanden und stellte den Bauplatz unentgeltlich zur Verfügung.

Durch den einsetzenden Ersten Weltkrieg konnte das Vorhaben nicht umgesetzt werden, die Aussichtsturm auf dem Rathsberg blieb bis 1972 erhalten.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (S. 10); Jg. 1905 (S. 10); Jg. 1914 (S. 52)

- Akademische Blätter, Zeitschrift des Kyffhäuser-Verbandes, 18. Jg. Nr. 6 vom 16.06.1903, S. 97

- Kölnische Zeitung 03.04.1914

- Schreiben des Ausschusses zur Errichtung einer Bismarcksäule an den Gemeinnützigen Verein Erlangen vom 22.01.1914

- Erlanger Tageblatt vom 03.09.1960

- Marc Zirlewagen: "Die Bismarcksäule auf der Rothenburg im Kyffhäuser", S. 74 (Erlangen)

- Auskunft des Stadtarchives Erlangen vom 21.02.1989

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2. Planung Bismarckturm Kitzingen

Der Steigerwaldklub Kitzingen plante Anfang 1905 den Bau eines Bismarckturmes auf dem Schwanberg. Das Vorhaben wurde nicht realisiert.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1905 (S. 10)

- Schreiben des Stadtarchivs Kitzingen (Dr. Helga Walter) vom 07.05.1987

- Schreiben der Stadt Kitzingen vom 14.11.1994 (Doris Badel)

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3. Planung Bismarckturm Kulmbach

In der Hauptversammlung des Liberalen Vereins Kulmbach wurde die Errichtung eines Bismarckturmes vom Landtagsabgeordneten Kommerzienrat W. Meußdörffer, Kommerzienrat H. Limmer und Professor Günther angeregt. Es wurde beschlossen, einen Aufruf an alle nationalgesinnten Bürger Kulmbachs zu schicken. Die Baukosten, die durch Spenden getragen werden sollten, wurden auf 10.000 Mark geschätzt. Am 12.07.1913 wurde der Aufruf zur Errichtung des Bismarckturmes in den Lokalblättern veröffentlicht.

Als Turm-Standort wurde ein Bergrücken Kulmbachs avisiert, der Bismarckturm sollte am 01.04.1915 (100. Geburtstag von Otto von Bismarck) eingeweiht werden.

Bis Mai 1914 wurden insgesamt 9.710 Mark für den Turmbau gesammelt. Aufgrund des einsetzenden Ersten Weltkrieges wurde die Planung nicht realisiert.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1913 (S. 77)

- XXIV. Verwaltungsbericht des Stadtmagistrats Kulmbach 1913, S. 15 + S. 18

- XXV. Verwaltungsbericht des Stadtmagistrats Kulmbach 1914, S. 17

- XXVI. Verwaltungsbericht des Stadtmagistrats Kulmbach 1915, S. 34

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4. Planung Bismarcksäule Nürnberg

Bereits im Mai 1899 planten man in Nürnberg, eine Bismarcksäule zu errichten. Ein Turmbaukomitee wurde gegründet. Bereits im Sommer 1904 waren 50.000 Mark an Spenden gesammelt worden. Als Bauplatz hatte man sich für den Rechenberg entschieden. Bereits im August 1904 plante man, mit dem Turmbau zu beginnen, "nachdem die Abtretungs- und Straßenregulierungs-Verhältnisse geregelt" worden waren.

Das Turmbaukomitee hatte sich für den Standard-Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis entschieden. Das Bauwerk sollte als Aussichtsturm und Feuersäule dienen und aus Sandstein errichtet werden. Der Einweihungstermin wurde auf das Jahr 1905 terminiert.

Der Nürnberger Stadtmagistrat sowie der Oberbürgermeister übten im Juni 1904 Kritik am Entwurf von Architekt Wilhelm Kreis und bezeichnete diesen als "wenig geschmackvoll" und als "wunderliches Denkzeichen für den großen Mann" [Anm: Otto von Bismarck].

Im April war zwischen dem Turmbaukomitee und der Stadt Nürnberg ein Vertrag bezüglich des Bismarckturmes abgeschlossen worden.

Die Grundsteinlegung musste verschoben werden, da die erforderlichen Geldmittel nicht ausreichten. Als erforderliche Bausumme wurden nun 80.000-100.000 Mark genannt.

Im Jahr 1906 wurden als Baukosten 30.000-35.000 Mark angegeben.

Die Realisierung des Bismarckturm-Projektes wurde im Jahr 1907 fallen gelassen, stattdessen wurde in den Jahren 1913-1915 am Prinzregentufer ein 5 m hohes Bismarck-Reiterstandbild auf einem 10 m hohen turmartigen Sockel als Teil einer geplanten Brückenanlage errichtet (Einweihung: 01.04.1915, Kosten ca. 125.000 Mark).


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (S. 3) ; Jg. 1905 (S. 6); Jg. 1906 (S. 60); Jg. 1909 (S. 16); Jg. 1911 (S. 168); Jg. 1913 (S. 13, S. 63-64,  S. 96, S. 170)

- Quedlinburger Kreisblatt vom 23.06.1904, Nr. 145

- Münchner Neueste Nachrichten vom 24.05.1899, Nr. 236 und vom 27.05.1899, Nr. 242

- Bonner Zeitung vom 02.12.1904

- Vorwärts - Berliner Volksblatt vom 01.12.1904 und 23.12.1905

- Sieglinde Seele: "Lexikon der Bismarck-Denkmäler", Michael-Imhof-Verlag, Fulda, 2005, S. 296-297 (Nürnberg)

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5. Planung Bismarckturm Wassertrüdingen

Im Jahr 1907 plante der Hesselberg-Verein den Bau eines Bismarckturmes auf dem Hesselberg. Im Jahr 1908 wurde ein Aufruf zur Errichtung eines Bismarckturmes auf dem Hesselberg (Bezirk Dinkelsbühl) erlassen. Spenden für dieses Projekt nahm Kantor Müller aus Wassertrüdingen entgegen.

Auf der Generalversammlung des Hesselbergvereins in Wassertrüdingen am 26.03.1911 wurde verkündet, dass der Baufonds für den Bismarckturm auf 5.409 Mark angewachsen war. Der Verein hoffte, den Bismarckturm anlässlich des 100. Geburtstages von Otto von Bismarck, am 01.04.1915, einweihen zu können und warb um weitere Spenden.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1907 (S. 71); Jg. 1908 (S. 112); Jg. 1911 (S. 95)

- Schreiben der Stadt Wassertrüdingen (Schülein) vom 08.05.1987

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6. Planung Bismarckturm Weibersbrunn-Rohrbrunn

Im Herbst 1904 plante der Verein der Spessartfreunde die Errichtung eines Bismarckturmes auf dem Geiersberg, der höchsten Spessartspitze. Aus unbekannten Gründen wurde dieses Vorhaben nicht durchgeführt.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (S. 10)

- Schreiben des Bayer. Forstamts Rohrbrunn (Name unlesbar) vom 02.02.1995

- Schreiben der Gemeinde Weibersbrunn (Bürgermeister Noll) vom 10.01.1995


Kleine Bildauswahl geplanter Bismarcktürme in Bayern

Ansichtskartenmotiv geplanter Bismarckturm Nürnberg

Foto Modell geplanter Bismarckturm Erlangen