Runder Turm aus Quarzporphyr
Der Bismarckturm in Frankenberg
Vorbemerkungen
Auf einer Sitzung des Verschönerungsvereines am 30.03.1906 wurde die Errichtung eines Bismarckturmes angeregt. Obwohl dieser Gedanke, u.a. vom Erzgebirgs-Zweigverein Frankenberg, mehrfach aufgegriffen und unterstützt wurde, wurde erst fünf Jahre später, am 06.07.1911, der "Bismarck-Verein Frankenberg e.V.", der aus Mitgliedern des Verschönerungsvereins hervorgegangen war, gegründet.
Bauplanung
Der "Bismarck-Verein Frankenberg e.V." unter Vorsitz von Fabrikant Pfitzner aus Frankenberg sammelte Spenden für den nun konkret geplanten Turmbau.
Die Finanzierung der Baukosten galt nun als gesichert und es wurden Bau-Entwürfe eingefordert. Von den zehn eingegangenen Entwürfen wurden in der Frankenberger Bank Anfang Mai 1912 die drei Entwürfe der engeren Auswahl ausgestellt. Es handelte sich um Entwürfe der Architekten Günther in Leipzig (Entwurf 1), Architekt Gotthold Nestler aus Leipzig (Entwurf 2) sowie Architekt Müller aus Leipzig (Entwurf 3).
Im Frühjahr 1912 hatte der Bismarck-Verein 270 Mitglieder, der Baufonds hatte eine Höhe von 7.730 Mark erreicht.
Am 20.05.1912 entschied sich der Vorstand des Bismarck-Vereins mit 25 Stimmen für den Entwurf 2 (von 40 Stimmen, 15 Stimmen erhielt Entwurf 3) des gebürtigen Frankenberger Architekten Nestler aufgrund des "monumentalen Charakters". Architekt Nestler wurde auch zum ausführenden Baumeister ernannt.
Bis zum Sommer 1913 stieg der Baufonds weiter auf 14.000 Mark an, die Gesamtkosten wurden auf 20.000 Mark geschätzt.
Jedem Spender von mindestens 100 Mark wurde nun zugesichert, eine Reproduktion des Turm-Entwurfs (Steindruck) zu erhalten und auf einer Ehrentafel im Innern des Bismarckturmes verzeichnet zu sein.
Im Jahr 1913 wurde von den städtischen Behörden erwogen, den Bismarckturm auch als Wasserturm zu errichten, aus "Zweckmäßigkeit" wurde im August 1913 letztendlich darauf verzichtet.
Als Standort des Turm wurde der Galgenberg (genauer Standort heute: Robert-Schumann-Straße, heutige Lützelhöhe) festgelegt. Der Turm-Standort lag auf der höchsten Erhebung im Nordosten der Stadt Frankenberg. Der Bauplatz war von allen Richtungen gut sichtbar und bot einen guten Rundblick.
Bauarbeiten
Am 15.03.1914 wurde die Ausführung der Bauarbeiten der Fa. Robert Nestler & Co. aus Frankenberg (Vater des Architekten G. Nestler) übertragen. Die Bauarbeiten begannen am 01.04.1914. Als Material für diesen Bismarckturm mit rundem Grundriss wurde Flöhaer Quarzporphyr verwendet.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 10.05.1914, die Grundmauern waren an diesem Tag schon ca. einen Meter hoch.
Bis Kriegsbeginn (Erster Weltkrieg) war der Turmbau bis zum oberen Teil fertig gestellt. Nach Kriegsausbruch kam es wegen fehlenden Materials zu fünfwöchigen Bauverzögerungen.
Trotz des Krieges konnten die Arbeiten am Turm abgeschlossen werden, sodass am 01.04.1915 die feierliche Einweihung erfolgen konnte.
Die Gesamtbaukosten betrugen 25.000 Mark.
Turmbeschreibung
Bei diesem 17,45 m hohen Aussichtsturm mit Feuerbecken handelte es sich um einen zweistufigen Rundbau mit einem Sockel-Durchmesser von 11,80 m. Der Turmschaft hatte einen Durchmesser von 7 m.
Durch das 2,50 m große Eingangsportal gelangte man in die gewölbte Bismarck-Gedächtnishalle. Eine Treppe führte von der Gedächtnis-Halle zur 1. Etage in eine 10 m hohe Halle. Von hier aus gelangte man durch eine Tür auf den unteren Umgang mit 1,10 m hohem Geländer. Über die Treppenanlage im Innern der Halle erreichte man den 1,20 m breiten oberen Umgang.
Auf dem Turmkopf war ein großes, vierteiliges Feuerbecken eingelassen.
Einweihung
Am 01.04.1915 ab 16:00 Uhr wurde die Einweihung trotz des Krieges im größeren Rahmen gefeiert. Neben etwa 1.000 Besuchern (Angaben der Lokalpresse) waren auch Bürgermeister Dr. Irmer, Stadträte, Abordnungen des Militärs und der Erbauer Robert Nestler anwesend. Nach den offiziellen Festreden von Robert Nestler, dem Vorsitzenden des Bismarckvereins und dem Bürgermeister wurde das Bauwerk in die Obhut des Bismarck-Vereines übergegeben.
Ein geplantes Bismarck-Standbild (nach anderen Quelle Bismarck-Büste) in der Gedächtnishalle sowie eine Ausschmückung derselben konnte aufgrund des Ersten Weltkrieges und fehlender Geldmittel nicht realisiert werden. Bei der Einweihung wurde der Gedanke geäußert, im Inneren des Turmes eine Ehrentafel mit den Namen aller gefallenen Frankenberger aufzustellen.
Turmgeschichte
1915-1945
Nach der Einweihung wurde das Bauwerk als Aussichtsturm genutzt.
Die erste offizielle Befeuerung des Bismarckturmes fand im Rahmen einer Bismarckfeier am 01.04.1925 statt. Ein Festzug (Vereine mit Fahnen und Bürger) startete um 19:15 Uhr vom Friedenspark aus und wurde von Fackelträgern begleitet. An der befeuerten Bismarcksäule wurde eine Ansprache gehalten, anschließend zogen alle Teilnehmer geschlossen zum Schützenhaus, in dem ab 21:00 Uhr ein Bismarck-Kommers abgehalten wurde.
Am 23.06.1934 veranstaltete die HJ eine Sonnenwendfeier an der Bismarcksäule. Hierbei wurde ein Holzstoß vor der Säule entzündet.
Die zweite offizielle Befeuerung der Bismarcksäule wurde anlässlich der "Saarbefreiung" [Anm: Rückgliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich] am 01.03.1935 auf der Bismarcksäule in den Abendstunden durchgeführt. Gleichzeitig fand auf dem Markt eine Kundgebung statt.
1946-1968
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bismarckturm aus ideologischen Gründen in "Turm der Jugend" umbenannt. Schüler der Oberschule nutzten das Bauwerk zwischenzeitlich zur Sternenbeobachtung. Kurz vor dem Abriss wurde er von der NVA zu Übungszwecken (Gasmasken-Prüfraum) genutzt.
Der Bismarckturm wurde am 18.11.1968 um 16:00 Uhr gesprengt, da von ihm aus das komplette NVA-Gelände eingesehen werden konnte.
[Anm.: Die Begründung ist zweifelhaft, da nach der Sprengung in unmittelbarer Umgebung 5-etagige Wohnblöcke (280 Wohneinheiten) errichtet wurden].
Vor der Sprengung wurde die Feuerschale entfernt.
Die Sprengung wurde durch ein Sprengkommando aus Dresden durchgeführt, dazu wurden 500 Sprenglöcher im Turm angebracht, die jeweils mit 160 Gramm Sprengstoff befüllt wurden (insgesamt 80 kg Sprengstoff).
Nach der Zündung des Sprengstoffs war der Turm in eine riesige Staubwolke eingehüllt, er stand aber unverändert an seinem Platz. Erst vier Minuten nach der Sprengung fiel das Bauwerk in sich zusammen.
Links
Google Maps (Robert-Schumann-Straße)
Koordinaten und Kartenmaterial
Quellen
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): Bismarck-Turm von Frankenberg (Sachsen)
- Seele, Sieglinde: "Lexikon der Bismarck-Denkmäler", Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 145
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 9. Jahrgang 1911 (Nr. 5, S. 90-91 + Nr. 7, S. 132), 11. Jahrgang 1913 (Nr. 6/7, S. 93), 12. Jahrgang 1914 (Nr. 6/7, S. 77/78)
- Sobotka, Günter: "Der Frankenberger Bismarckturm und seine Geschichte" in: Frankenberg in Sachsen - Beiträge zur Regional- und Stadtgeschichte von Frankenberg/Sachsen und Umgebung, Heft III, 2013, S. 13-18, Hrsg: Stadtverwaltung Frankenberg und Interessengemeinschaft "Stadtgeschichte Frankenberg".
- Glückauf, Organ des Erzgebirgsvereins, 27. Jahrgang 1907 (Nr. 6, S. 94/95), 28. Jahrgang 1908 (Nr. 7, S. 108), 30. Jahrgang 1910 (Nr. 6, S. 94/95), 34. Jahrgang (Nr. 7, S. 110)
- Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt: 05.05.1911
- Frankenberger Tageblatt: 12.05.1912, 22.05.1912; 24.08.1913; 01.04.1915; 04.04.1915; 31.03.1925; 25.06.1934; 01.03.1935
- Dresdner Journal: 23.05.1912; 10.05.1913
- Zschopauer Tageblatt: 30.10.1935
Fotograf (ehemaliger Standort)
Ralph Männchen, Dresden (August 2014)
Übersichtskarte Standort Bismarckturm
Der genaue Standort ist über die Links zu Google Maps / Google Earth (s.o.) zu finden.
Bildergalerie ehemaliger Bismarckturm Frankenberg

Foto Bismarckturm Frankenberg vor der Sprengung 1968 (bereits ohne Feuerschale)

Foto Bismarckturm Frankenberg undatiert
Ansichtskartenmotive: Bismarckturm-Archiv Jörg Bielefeld, Leverkusen
Fotografien: Jörg Bielefeld, Leverkusen, ansonsten siehe jeweiliges Foto (Erlaubnis des Fotografen)







