Bismarckturm-Planungen Schleswig-Holstein
Fünf nicht realisierte Bismarckturm-Projekte
Auf dem heutigen Gebiet von Schleswig-Holstein wurden acht Bismarcktürme errichtet. Fünf geplante Bismarcktürme wurden nie realisiert.
In folgenden Orten sollten die Bauwerke gebaut werden:
- Husum
- Kiel
- Lübeck
- Neumünster
- Plön
Nähere Angaben zu den Bismarckturm-Projekten in Schleswig-Holstein
Von Husum bis Plön
1. Planung Bismarckturm Husum
Im Juli 1899 planten Bismarck-Verehrer auf der höchsten Spitze des Schobüller Berges bei Husum einen Bismarckturm zu errichten. Die Stadt Husum gab an, diesen Ort als touristisches Ausflugsziel zu nutzen und dort auch einen öffentlichen Platz (Spielplatz für die Jugend) anzulegen. Der Baugrund gehörte dem Pastorat Schobüll und wurde im Juli 1899 von "Mitgliedern der Stadt" in Augenschein genommen. Das Grundstück sollte 500 Mark kosten, die Stadtvertretung sollten in der nächsten Sitzung über den Ankauf entscheiden.
Es wurde ein Ausschuss zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals gegründet, der die Errichtung einer 20 m hohen Bismarcksäule vorantreiben wollte. Als Bauplatz wurde nun die Bastion Katze vorgeschlagen. Die Baukosten wurden auf 36.000 Mark geschätzt.
Quellen
- Husumer Wochenblatt vom 08.07.1899; 29.07.1899
- Schlesische Zeitung vom 09.07.1899
- Berliner Neueste Nachrichten vom 07.07.1899
- Kunsthalle vom 20.05.???? (ohne Jahr)
- Schreiben des Stadtarchivs Husum (Holger Borzikowsky) vom 09.07.1996
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2. Planung Bismarckturm Kiel
In Vorbereitung des 80. Geburtstages von Otto von Bismarck am 01.04.1895 beschloss das städtischen Kollegium in Kiel, einen Bismarckturm zu errichten. Am 30.03.1895 wurden hierfür 1.000 Mark seitens der Stadt Kiel zur Verfügung gestellt. Prinz Heinrich spendete 500 Mark zu diesem Zweck. Es wurde ein Ausschuss zur Errichtung eines Bismarckturmes gegründet. Bis Oktober 1895 sammelte der Ausschuss 10.000 Mark für den Turmbau.
Im November 1895 wurde vom Ausschuss nach Anregung des "bekannten freisinnigen Politikers Prof. Haenel" [Anm.: Albert Friedrich Hänel, *1833-†1933] bestimmt, dass die gesammelten Gelder statt für einen Bismarckturm für ein Bismarckdenkmal in Kiel verwendet werden.
Am 10.11.1897 wurde im heutigen Hiroshimapark in Kiel ein Bismarck-Standbild in Bronze von Bildhauer Harro Magnussen aus Berlin eingeweiht.
Nach dem Aufruf der Deutschen Studentenschaft zur Errichtung von Bismarcksäulen 1898/1899 kam in Kiel seitens der Studentenschaft erneut der Gedanke auf, einen Bismarckturm zu errichten.
Im Juli 1899 wurde vom Komitee zur Errichtung einer Bismarcksäule in Kiel eine allgemeine Studentenversammlung einberufen, an der neben Studenten auch die Bürger von Kiel eingeladen waren. Hier sollte u.a. die weitere Beschaffung von Spenden für das geplante Bauwerk in Kiel durch von Studenten durchgeführte Sammlungen besprochen werden.
Quellen
- Gubener Zeitung vom 03.04.1895
- Kölnische Zeitung vom 31.03.1895; 09.11.1895; 12.11.1895
- Akademische Blätter, Zeitschrift des Kyffhäuser-Verbandes der Vereine Deutscher Studenten, 14. Jg. (Nr. 8 vom 16.07.1899); 18. Jg. (Nr. 6 vom 16.06.1903)
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3. Planung Bismarckturm Lübeck
Vor 1902 war der Bau eines Bismarckturmes in Lübeck geplant. Bismarck-Verehrer bildeten einen Ausschuss zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals in Form eines Aussichtsturmes. Vorsitzender des Ausschusses war Dr. med. Riedel.
Stadtbaudirektor Schaumann fertigte zwei verschiedene Turm-Entwürfe. Beide Türme sollten eine Gesamthöhe von 20 m haben, Turm 1 sollte in einem Wald stehen (das obere Drittel sollte über die Bäume hinausragen), Turm 2 war für einen unbewaldeten Standort gedacht. Eine Entscheidung für einen Entwurf war bis 1902 nicht gefallen.
Am 01.04.1902 gab der Ausschuss den Plan eines Bismarckturmes auf und setzte sich nun für die Errichtung eines Bismarckdenkmales ein.
Am 02.09.1903 wurde auf dem Holstentorplatz (Rosengarten) ein 3,60 m hohes Bismarck-Standbild auf einem 2,85 m hohem Sockel von Bildhauer Hans Hundrieser aus Berlin-Charlottenburg eingeweiht.
Quellen
- Stadtarchiv Weißenfels, Akte A II 10 745+- Stadtarchiv Stendal, BG-333, BG 179, Indexnr. 196
- Freie Kunst 1902, XVII. Jg., 03.04.1902, S. 336
- Rhein- und Ruhr-Zeitung vom 11.03.1902
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4. Planung Bismarcksäule Neumünster
Am 18.08.1904, auf der Feier des 25jährigen Stiftungsfestes des Kriegerbundes, wurde die Errichtung einer Bismarcksäule in Neumünster beschlossen.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (Nr. 11/12, S. 10)
- Schreiben des Stadtarchivs der Stadt Neumünster (Herr Tidow) vom 21.11.1994
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5. Planung Bismarckturm Plön
Bereits im Jahr 1896 sammelte der Verschönerungsverein für den Bau eines Bismarckturmes in Plön. Bei der Generalversammlung des Verschönerungsvereins am 25.03.1897 im "Hotel zum Prinzen" wurde die Höhe des Baufonds für den Bismarckturm mit 3.300 Mark angegeben. Als Turm-Standort war die Große Insel vorgesehen. In der Generalversammlung am 25.03.1897 kam es zu Diskussionen über den geplanten Standort, weil Mitglieder des Vereins nun für die Bieberhöhe als Standort plädierten. Nach einer Abstimmung wurde der Standort "Große Insel" mit großer Mehrheit gewählt. Der Vorstand gab an, die Vorarbeiten in die Hand zu nehmen und zu fördern.
Ein Turm-Entwurf wurde ausgearbeitet. Auf der Generalversammlung des Verschönerungsvereins am 28.04.1898 wurde diskutiert, dass das Projekt Bismarckturm auf der Großen Insel beschleunigt werden müsse. Der vorgelegte Turm-Entwurf mit einem Wirtschaftsgebäude u.a. wurde als "zu teuer" bezeichnet, das Bauwerk sollte maximal 6.000 Mark kosten. Lokale Unternehmen sollten bezüglich der Einreichung von Plänen und Kostenvoranschlägen vom Vorstand angeschrieben werden.
Im Mai 1899 war der Baufonds nur gering auf 3.420,05 Mark angewachsen. Der Vorstand hatte entgegen der Beschlüsse in der Generalversammlung den Bau nicht öffentlich ausschreiben lassen, da mit dem Forstfiskus als Eigentümer der Großen Insel immer noch keine Einigung über das Pachtgrundstück erzielt worden war.
Als alternativer Bauplatz wurde erneut die Bieberhöhe [Anm.: Auf der bereits ein maroder Aussichtsturm vorhanden war, der im Jahr 1900 abgerissen wurde] genannt, falls es mit dem Forstfiskus weiterhin zu keiner Einigung bezüglich des Grundstückes auf der Großen Insel kommen sollte.
In der Generalversammlung des Verschönerungsvereins im März 1901 wurde berichtet, dass der Bieberklub sich gegen den Bau eines Bismarckturmes auf der Bieberhöhe ausgesprochen hat.
Der Baufonds für den Bismarckturm war wiederum nur gering auf 3.788,76 Mark gestiegen.
De Verschönerungsverein beschloss auf dieser Versammlung, den im Jahr 1900 abgerissenen Aussichtsturm auf dem Bieberberg durch einen neuen Aussichtsturm (kein Bismarckturm!) zu ersetzen.
Im April 1901 beschloss der Forstfiskus, die im Eigentum befindliche Große Insel (heute: Prinzeninsel) aufzuforsten und die bereits vorhandene öffentliche Wirtschaft zu verbieten.
Die folgenden Angaben sind unbestätigt und fraglich:
"Der Grundstein des Bismarckturmes auf der Großen Insel soll einige Jahre später gelegt worden sein. Mit dem Bau des Turmes wurde begonnen. Im Juli 1908 soll ein Turm-Torso auf der Insel gestanden haben. Der Bau wurde nie fertiggestellt."
Im Jahr 1913 wurde in privater Initiative ein Bismarckturm am Vierer See in Plön errichtet.
Quellen
- Plöner Wochenblatt vom 26.03.1897; 29.04.1898; 14.05.1899; 28.03.1900; 25.03.1901; 17.04.1901
- General-Anzeiger für Hamburg-Altona vom 26.07.1908

Ansichtskartenmotiv Bismarckdenkmal in Lübeck 1903 (statt geplanter Bismarckturm)

Ansichtskartenmotiv Bismarckdenkmal in Kiel 1901 (statt geplanter Bismarckturm)
