Bismarckturm-Planungen Sachsen

Siebzehn nicht realisierte Bismarckturm-Projekte


Auf dem heutigen Gebiet von Sachsen wurden dreiundzwanzig Bismarcktürme errichtet. Siebzehn geplante Bismarcktürme wurden nie realisiert.

In folgenden Orten sollten die Bauwerke gebaut werden:


  1. Augustusburg
  2. Bautzen
  3. Dresden-Klotzsche
  4. Ehrenfriedersdorf
  5. Großenhain
  6. Hohenstein-Ernstthal
  7. Kreischa
  8. Leisnig / Hartha
  9. Marienberg (Erzgebirge)
  10. Meißen
  11. Oberwiesenthal (Fichtelberg)
  12. Oschatz / Liebschützberg-Clanzschwitz
  13. Penig
  14. Riesa-Weida
  15. Schwarzenberg (Erzgebirge)
  16. Tharandt
  17. Wolkenstein (Erzgebirge)

Nähere Angaben zu den Bismarckturm-Projekten in Sachsen

Von Augustusburg bis Wolkenstein (Erzgebirge)


1. Planung Bismarcksäule Augustusburg

Am 30.05.1903 plante der Erzgebirgsverein auf der Bismarckhöhe zwischen Grünberg und Erdmannsdorf eine Bismarcksäule zu errichten. Die Errichtung wurde im September 1903 vom Erzgebirgsverein beschlossen. Einer Entwurfszeichnung wurde am 18.09.1903 zugestimmt. Diese Zeichnung wurde am 24.09.1903 im Schaufenster Schütz ausgestellt. Der Verein deutscher Studenten überwies Ende 1905/Anfang 1906 dem Erzgebirgsverein 25 Mark für die Errichtung eines Bismarckturmes auf dem Galgenberg. Im Jahr 1912 wurde dieses Vorhaben - mit dem Hinweis auf "viele Jahre" bis zur Verwirklichung des Plans - weiter voran getrieben.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1903 (Nr. 4, S. 4), Jg. 1906 ( Nr. 1, S. 13)

- Staatsarchiv Dresden, AH Flöha Nr. 60 (1894-1943)

- Glückauf, Organ des Erzgebirgsvereins, 30. Jg., 1910, No. 9, S. 129-131

- Schreiben der Stadt Augustusburg (Bürgermeister Eckardt) vom 19.01.1995

- Handschriftliche Aufzeichnungen ("Bismarck") der Erzgebirgsvereins

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2. Planung Bismarcksäule Bautzen

Anfang 1901 wurden Spendengelder für eine Bismarcksäule in Bautzen gesammelt.

Ende 1913 waren insgesamt 13.000 Mark für dieses Projekt gesammelt worden. Der Stadtrat beschloss, den "wuchtig wirkenden" Bismarckturm am alten Exerzierplatz auf der Höhe des Bismarck-Hains und angrenzenden Kaiser-Wilhelm-Platz zu errichten. Am Fuße des Denkmals sollte ein großer freier Platz für nationale Fest- und Wettspiele entstehen. Letztendlich wurde dieser Ratsbeschluss von den Stadtverordneten zugunsten eines Bismarckdenkmals in der Innenstadt abgelehnt. Es wurde ein mehrgliederiger Ausschuss gewählt, der sich mit der Bauplatzfrage für das Denkmal beschäftigen sollte.

Weder Bismarckturm noch Bismarckdenkmal wurden errichtet.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1914 (Nr. 1, S. 9)

- Akademische Blätter, Zeitschrift des Kyffhäuser-Verbandes der Vereine Deutscher Studenten, 15. Jg., Nr. 21 vom 01.02.1901

- Schreiben der Stadt Bautzen (E. Schmitt) vom 18.03.1991

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3. Planung Bismarckturm Dresden-Klotzsche

Im Jahr 1903 planten Bismarck-Verehrer in Klotzsche im Heidegrün einen Bismarckturm. Zugunsten des Baufonds fand am 02.10.1903 ein Konzert der Dresdner Liedertafel (Klotzscher Quartett) statt.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (Nr. 2, S. 3)

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4. Planung Bismarckturm Ehrenfriedersdorf

Im Jahr 1904 beschlossen die städtischen Kollegien mit einer Gegenstimme auf der Waldkuppe am Ehrenfriedersdorfer Greifenstein ein Bismarckdenkmal (25 m hoher Obelisk) errichten zu lassen. Für dieses Projekt wurden sofort 1.000 Mark gezeichnet, die Gesamtbaukosten wurden auf 3.000 Mark geschätzt.

Ende 1907 sollte Nahe der Greifensteine statt eines Obelisken ein besteigbarer Bismarckturm mit Feuerbecken gebaut werden. Doch erst Anfang 1914 wurde ein Bismarckverein gegründet, um dieses Vorhaben zu realisieren. Der Baufonds war bis 1914 auf lediglich 2.300 Mark angewachsen.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1905 (Nr. 2, S. 4), Jg. 1907 (Nr. 12, S. 215), Jg. 1914 (Nr. 4/5, S. 50)

- Schreiben des Stadtarchivs der Stadtverwaltung Ehrenfriedersdorf (Margitta Mönch) vom 03.04.1991

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5. Planung Bismarcksäule Großenhain

Am 14.01.1905 hielt der 1898 gegründete Bismarckbund für Großenhain seine Jahresversammlung in Großenhain ab. Dieser plante, sich dem Deutschen Bismarck-Bund anzuschließen und eine Bismarcksäule zu bauen. Im Jahr 1908 war der Feuersäulen-Fonds für den geplanten Bismarckturm so stark angewachsen, dass man in naher Zukunft eine Bismarcksäule auf dem Kupferberg errichten wollte.

In der Hauptversammlung des Bismarckbundes für Großenhain berichtete der Vorsitzende, Rechtsanwalt Richter, über eine "Anzahl Stiftungen" zugunsten des Fonds.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1905 (Nr, 5, S. 6); Jg. 1908 (Nr. 4, S. 57), Jg. 1909 (Nr. 4, S. 66)

- Schreiben der Stadt Grossenhain vom 17.08.1994 (Herr Hoffmann)

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6. Planung Bismarckturm Hohenstein-Ernstthal

Der Erzgebirgsverein beschloss am 30.03.1904, einen Bismarckturm in Hohenstein-Ernstthal zu errichten. Die Einweihung sollte zum 100. Geburtstag von Otto von Bismarck, am 01.04.1915, stattfinden. Es wurden sofort 800 Mark für dieses Projekt gezeichnet.

Anfang 1905 spendete Kommerzienrat Robert Pfefferkorn 3.000 Mark zweckgebunden für den geplanten Turmbau des Erzgebirgsvereins.

Ende 1910 beschloss der Erzgebirgsverein, die eigenen Anlagen auf dem Pfaffenberg in einen Volkspark umzuwandeln und dort eine Festhalle mit Bismarckturm zu errichten.

Tatsächlich wurde im Jahr 1911 das Berggasthaus mit einem angesetzten Turm [Anm.: kein Bismarckturm] auf dem Pfaffenberg errichtet, welches zunächst den Namen "Berggasthaus zur Bismarckhöhe" erhielt. In späteren Jahren wurde die Ausflugsgaststätte lediglich "Berggasthaus" genannt.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (Nr. 9, S. 2); Jg. 1905 (Nr. 5, S. 7); Jg. 1911 (Nr. 1, S. 11)

- Leipziger Tageblatt vom 31.03.1904

- Schwarzburg-Rudolstädtische Zeitung vom 03.04.1904

- Schreiben der Stadtverwaltung Hohenstein-Ernstthal vom 05.12.1991 (Angela Höller) und vom 12.10.1994 (S. Günther)

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7. Planung Bismarckturm Kreischa

Bereits im April 1905, anlässlich des 90. Geburtstages von Otto von Bismarck, plante der Kreischaer Gebirgsverein (kurz darauf umbenannt in Verkehrsverein Kreischa und Umgebung) den Bau eines Bismarckturms auf dem Wilisch, der 10 bis 12 m südlich der dortigen Triangulationssäule stehen sollte.

Am 06.03.1907 wandte sich der Verkehrsverein der Gemeinde Kreischa und Umgebung an das Königliche Ministerium für Finanzen zwecks Genehmigung des Baus eines Bismarckturms auf dem großen Wilisch in Kreischa. Das Finanzministerium übergab den Antrag am 08.10.1907 an die Oberforstmeisterei mit der Empfehlung, dem Antrag stattzugeben.

Die Oberforstmeisterei genehmigte den Bau unter bestimmten Auflagen (u.a.:  Bismarckturm ist in Stein auszuführen, Lageplan und Bauzeichnung sind vorab dem Königl. Finanzministerium einzureichen). Zudem wurde ein Pflichtenkatalog für den Antragsteller beim Bau aufgestellt (u.a. Zugangswege und Schutzvorrichtungen auf Kosten des Vereins, Nutzungsrecht der Plattform für Landvermesser, Abbrennen von Feuern und Feuerwerk nur unter Vorsichtsmaßregeln gestattet).

Nach der erfolgten Genehmigung gründete der Kreischaer Verkehrsverein Ende 1907 einen "Ausschuss für Errichtung eines Bismarckturmes auf dem Wilisch" unter Vorsitz von Bürgermeister und Gemeindevorsteher Rudolf Kubenke.

Erste Spenden zugunsten des Baufonds konnten durch eine Theatervorführung am 25.12.1907 mit anschließendem Konzert im Erbgericht Kreischa erzielt werden. Der Antrag auf Durchführung einer Warenlotterie wurde abgelehnt.

Die Projektierungsaufträge für den Entwurf gingen am 17.04.1908 an das Büro für Baukunst und Kunsthandwerk in Berlin sowie an Architekt Karl Stahlberg in Dresden.

Eine Ansichtskarte mit dem Entwurf des Bismarckturmes in einer Auflage von 5.000 wurde bei der Fotografischen Gesellschaft in Siegburg bestellt, ein Vertrag wurde aber nicht abgeschlossen und die Bestellung storniert.

Im März 1909 wurde, nach Genehmigung der Behörden, in Lokalzeitungen Dresdens und Umgebung ein Aufruf an "Deutsche Männer und Frauen!" veröffentlicht, in dem für den Bau eines befeuerbaren Bismarckturms auf dem Wilisch geworben wurde. Zuvor wurden in den Jahren 1907-1909 individuelle Bittschreiben und Spendengesuche an "patriotische Unternehmen" und Unternehmer geschickt, um die Unterstützer beim Aufruf namentlich nennen zu können. Zudem wurden ab Januar 1909 Sammelstellen eingerichtet und Sammelbüchsen aufgestellt. Einige Unternehmer lehnten Spenden strikt ab und in der Bevölkerung kamen nur wenige Spenden zusammen.

Am 17.05.1910 gab Vorsitzender Kubenke in der Ausschusssitzung bekannt, dass der Bismarckturm am 01.04.1915, zum 100. Geburtstag von Otto von Bismarck, eingeweiht werden sollte. Die Kosten für den Bau wurden auf 2.000-3.100 Mark geschätzt.

Die Angaben zum Baufonds sind teilweise widersprüchlich (vermutlich mit bzw. ohne Abzug der Unkosten gerechnet), Ende 1910 wurde die Summe von 2.497,70 Mark, im Mai 1911 die Summe von 1.000 Mark angegeben.


Von April bis Juni 1914 war zuvor in Dresden eine Haus- zu Haus Sammlung durchgeführt worden. Nach Abzug der Unkosten wurden dem Baufonds 510,33 Mark zugeführt.

Am 16.07.1914 ging ein neuer Projektierungsauftrag für einen 25 m hohen Bismarckturm an Guido Zische, dem Inhaber der Fa. Georg Voss und Co. in Freital bei Dresden. Die Baukosten sollten 8.000 Mark betragen, 3.800 Mark waren bereits gesammelt worden.

Nach Beginn des Ersten Weltkrieges gingen bis Ende 1915 keine weiteren Spenden mehr ein.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1907 (Nr. 3, S. 43); Jg. 1909 (Nr. 5, S. 82)

- Ueber Berg und Thal, Organ des Gebirgsvereins für die Sächs. Schweiz, 31. Jg., No. 4 vom 15.04.1908

- Kreischaer Bote, Jg. 2005, Ausgabe 46 vom 05.08.2011, S. 24

- Bote vom Wilisch, April 1993, Nr. 39, S. 11

- Aufruf zur Erbauung eines Bismarckturmes vom "Ausschuss für Errichtung eines Bismarck-Aussichtsturmes auf dem Wilisch bei Kreischa"

- Schreiben der Gemeindeverwaltung Kreischa vom 08.11.1991 (Bürgermeister Schmidt)

- "Gutachten betreffend der Erhaltung des grossen Wilisch bei Dresden", 1910

- Schreiben von Hermine Hofmann vom 01.04.1995

- "Der Bismarckturm auf dem Großen Wilisch", Geschichte des geplanten Turmes von Gemeinderätin, Ortschronistin und Denkmalpflegerin Hermine Hofmann (23.03.1995)

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8. Planung Bismarcksäule Leisnig / Hartha

Im August 1899 beschloss der Turnverein "Freie Männerriege" unter Vorsitz von Turnlehrer Schlimpert, eine Bismarcksäule nach dem Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis bei Leisnig zu errichten.

Am 19.10.1899 trafen sich zu diesem Zweck im "Gasthof zum Kreuz" in Hartha Bismarck-Verehrer aus der näheren und weiteren Umgebung, um über das Projekt Bismarckturm zu diskutieren. Der geplante Turm sollte auf dem "Kreuz" in Hartha (326,99 m über NN), der höchsten Erhebung des mittelsächsischen Hügellandes, errichtet werden.


Quellen

- Dresdner Journal, Beilage zu Ausgabe No. 198 vom 26.08.1899

- Dresdner Journal, Beilage zu Ausgabe No. 246 vom 21.10.1899

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9. Planung Bismarckturm Marienberg (Erzgebirge)

Bereits im Jahr 1904 gab es erste Planungen des Erzgebirgszweigvereins Marienberg zum Bau eines Bismarckturmes auf dem Galgenberg in Marienberg. Am 10.06.1911 wurde Architekt Curt Herfurth aus Dresden zwecks Erstellung eines Entwurfes angeschrieben.

Im Frühjahr 1913 wurden die Bestrebungen zum Bau des Turms intensiviert: Der Erzgebirgszweigverein Marienberg plante - nun zur Erinnerung an die Jahrhundertfeier der Freiheitskriege - erneut den Bau eines Bismarckturmes auf dem Galgenberg, der auch als Aussichtsturm genutzt werden sollte. An nationalen Gedenktagen sollten auf den Turm Feuer entzündet werden.

Am 05.11.1913 teilte der Stadtrat von Marienwerder dem Erzgebirgszweigverein mit, dass er sich mit einem "angemessenen Betrag" an den Baukosten beteiligen wolle, aber den Bau einer Feuersäule statt eines Aussichtsturmes empfehle. Gegen einen Aussichtsturm sprachen nach Ansicht des Stadtrates mehrere Gründe:

1. keine rechtliche gesicherte Zugängigkeit des Denkmals

2. wesentliche polizeiliche Bedenken

3. die örtlichen Verhältnisse (Bau einer Schankwirtschaft für Ausflügler nicht möglich)


Im Juni 1913 wurden drei Architekten aus Chemnitz und Dresden, im Januar 1914 drei weitere Architekten aus Leipzig, Dresden und Erfurt angeschrieben. Mehrere Entwurfsskizzen eines Bismarck-Aussichtsturmes wurden eingereicht.

Am 09.01.1914 wurde das Steinmetzgeschäft C.F. Förster aus Riesa schriftlich wegen der Baukosten angefragt.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1913 (Nr. 6/7, S. 96)

- Schreiben der Stadt Marienberg vom 03.04.1991 (Herr Prowatschke) und vom Stadtarchiv der Stadt Marienberg vom 30.08.1994 (Frau Kolditz)

- Schreiben des Stadtrats von Marienberg an den Erzgebirgszweigverein Marienberg vom 05.11.1913

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10. Planung Bismarckturm Meißen

Nach der Einweihung des hölzernen Bismarckturmes in Meißen am 31.08.1902 planten Bismarck-Verehrer im Jahr 1906 in Meißen die Errichtung eines weiteren Bismarckturmes. Zu diesem Zweck wurde Anfang 1906 eine Porzellan-Lotterie in Meißen durchgeführt (Ziehung am 31.03.1906).


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1906 (Nr. 4, S. 60)

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11. Planung Bismarckturm Oberwiesenthal (Fichtelberg)

Der Erzgebirgszweigverein Chemnitz plante im März 1899, "auf dem höchsten Berge unseres Landes", dem Fichtelberg (1214 m über NN), eine Bismarcksäule auf einem Gedenk-Hügel zu errichten. Der Unterbau des Turmes (alternativ der Gedenk-Hügel) sollte aus verschiedenartigen Steinen gebaut werden. Der Erzgebirgszweigverein plante, auf dem Hügel einen Granitstein aus Johanngeorgenstädter Flur mit Aufschrift zu liefern. Der Crottendorfer Zweigverein gab im Juni 1899, eine Platte aus Crottendorfer Marmor (60 cm Länge, 45 cm Breite, 10-15 cm Stärke) zu stiften. Der Zweigverein Leipzig gab an, Steine aus Cradefeld mit Gletscherschliffen zu spenden.

Am 16.07. und 17.07.1899 wurde auf der Abgeordneten- und Hauptversammlung des Erzgebirgsvereins in Jöhstadt beschlossen, auf dem Gipfel des Fichtelberges ein Denkmal für Bismarck zu errichten.

Im Herbst 1899 schlug Oberförster Timäus den südlichen Gipfel des Fichtelberges als Bauplatz vor.

Anfang 1900 plante man statt eines Turmes einen 10-12 m hohen, aus einzelnen Steinen zusammengefügten Obelisken (Bismarckdenkmal) mit einem Medaillonbild von Otto von Bismarck. Direktor Neumann legte im Frühjahr eine Skizze des Denkmals von Stadtrat und Architekt Duderstädt vor. In der Hauptversammlung im April 1900 in Schlema wurde bestimmt, dass die Steine aus dem Steinbruch Gleesberg beschafft werden sollte, Werkbaumeister Friedrich wurde mit dieser Aufgabe betraut.

In der Jahreshauptversammlung des Erzgebirgsvereins in Chemnitz vom 27.09-29.09.1900 beantragte der Zweigverein Chemnitz. auf dem hinteren (kleinen) Fichtelberg eine Bismarcksäule zu bauen und die Erhebung Bismarckkuppe zu nennen. Der Gesamtvorstand stimmte diesem Plan nach einer "lebhaften Aussprache" zu. Neben dem Obelisken wurde in der Versammlung alternativ ein Bismarckbrunnen vorgeschlagen, ein weiterer Vorschlag war die Erhöhung des Fichtelberghauses inkl. Anbringung eines Gedenkzeichens an Bismarck. Finanziert werden sollte die beschlossene, monumentale Säule auf einem Gedenkhügel durch die Hauptkasse des Erzgebirgsvereins, durch Spenden der Zweigvereine und "Freunde des Fürsten Bismarck aus dem ganzen Lande".

Die Spenden für dieses Projekt flossen allerdings nur spärlich, bis Anfang 1903 war der Baufonds nur auf 615 Mark gewachsen, Anfang 1905 waren es 2.000 Mark.

Aufgrund der ausbleibenden Spendenbereitschaft kam Anfang 1906 (Baufonds lag nun bei 2.532 Mark) erneut der Gedanke auf, ein im Vergleich zu einer Bismarcksäule kostengünstigeres Bismarckdenkmal zu errichten.

In der Sitzung des Gesamtvorstands des Erzgebirgsvereins zu Buchholz erklärten Vertreter des Zweigvereins Chemnitz, dass die geplante Bismarcksäule dem Erzgebirgsverein "nicht mehr würdig" sei und stattdessen ein stattlicher Bismarckturm in unmittelbarer Nähe des Fichtelberghauses errichtet werden sollte. In den einzelnen Zweigvereinen kam es in Versammlungen des Erzgebirgsvereins zu unterschiedlichen Ansichten über die Ausführung des Bismarckgedenkens und über den Aufstellort (nahe Fichtelberghaus oder Kuppe des Fichtelbergs).

In der Hauptversammlung des Erzgebirgsvereins in Chemnitz am 28.01.1908 wurde erneut beschlossen, einen Bismarckturm auf dem Fichtelberg zu errichten. Baurat Auster und Regierungsbaumeister Rohleder präsentieren ihre Entwürfe zur Erweiterung des Fichtelberghauses und zum Bismarckturm. Das Königliche Finanzministerium stimmte beiden Plänen zu.

[Anm.: Das Fichtelberghaus war 1889 vom Erzgebirgsverein errichtet worden, 1899 wurde es erstmals erweitert. Die geplante nochmalige Erweiterung - nun vier Gaststuben und 43 Fremdenzimmer - erfolgte wie geplant im Jahr 1910].

Am 01.02.1909 lag der Baufonds für den Bismarckturm bei 3.503 Mark und für die Erweiterung des Fichtelberghauses bei 2.000 Mark. Für die weitere Finanzierung des Bismarckturmes war im Jahr 1910 eine Lotterie geplant (Lospreis 3 Mark), die trotz Beschlusses des Erzgebirgsvereins bis Oktober 1913 nicht durchgeführt wurde. Am 21.11.1913 untersagte das Königliche Sächsische Ministerium des Inneren die Durchführung einer Geldlotterie. Gründe für die Absage waren, dass nach Ansicht des Ministeriums die Geldmittel auch durch Privatsammlungen u.ä. zusammengebracht werden konnte und dass "der verfolgte Zweck nicht so dringlicher Art ist".

Im Jahr 1925 sollte das Unterkunftshaus durch eine Jugendherberge in Form eines Turmes erweitert werden. Dieser Turm sollte Bismarckturm genannt werden. Diese Pläne konnten aufgrund wirtschaftlich schlechter Zeiten nicht realisiert werden.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1905 (Nr. 5. S. 6), Jg. 1907 (Nr. 2, S. 32); Jg. 1910 (Nr. 10/11, S. 170)

- Dresdener Journal vom 14.03.1899; 01.04.1899; 13.06.1899; 24.06.1899; 18.07.1899

- Glückauf, Organ des Erzgebirgsvereins, 19. Jg. 1899 (Nr. 3, S. 44; Nr. 4, S. 58, Nr. 5, S. 73; Nr. 6, S. 80 u. 93; Nr. 7, S. 108; Nr. 8, S. ???; Nr. 9, S. 127-131; Nr. 10, S. 144); 20. Jg. 1900 (Nr. 2, S. 26; Nr. 3, S. 29-32; Nr. 4, S. 56, Nr. 6, S. 88; Nr. 8, S. 109; Nr. 9, S. 128; Nr. 10, S. 141-146, Nr. 11, S. 168-172); 22. Jg. 1902 (Nr. 4, S. 60); 23 Jg. (Nr. 2, S. 28); 24. Jg. 1904 (Nr. 6, S. 85-94; Nr. 7, S. 114-121), 25. Jg. 1905 (Nr. 3, S. 45); 26. Jg. 1906 (Nr. 1, S. 1-2; Nr. 3, S. 39-42 u. S. 44; Nr. 8, S. 128-131; Nr. 10, S. 153-159; Nr. 11, S. 170; Nr. 5, S. 71-74; Nr. 8/9, S. 137-140); 28. Jg. 1908 (Nr. 3, S. 43; Nr. 10, S. 153-157; Nr. 12, S. 184-189); 29. Jg. 1909 (Nr. 4, S. 57-58 u. S. 60); 30. Jg. 1910 (Nr. 9, S. 129-131; Nr. 11, S. 166 u. 171-175 u. S. 177), 31. Jg. 1911 (Nr. 1, S. 1-4; Nr. 4, S. 54, Nr. 9, S. 143-145, Nr. 12, S. 186-191), 32. Jg. 1912 (Nr. 9, S. 140; Nr. 12, S. 184); 33. Jg. 1913 (Nr. 4, S. 56-58; Nr. 11, S. 169-172; Nr. 12, S. 181-185), 34. Jg. 1914 (Nr. 1, S. 1; Nr. 4, S. 56-58); 35. Jg. 1915 (Nr. 9, S. 140); ?? Jg. 1925 (S. 186-190)

- Illustrirte Zeitung vom 03.08.1899

- Schwarzburg-Rudolstädtische Landeszeitung vom 16.03.1899

- Schreiben der Kurverwaltung Kurort Oberwiesenthal vom 25.08.1994

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12. Planung Bismarcksäule Oschatz / Liebschützberg-Clanzschwitz

Ende 1912/ Anfang 1913 bildeten Bismarck-Verehrer in Oschatz ein Komitee unter Vorsitz von Baron von Byern, um auf der Höhe hinter Clanzschwitz eine Bismarcksäule zu errichten.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1913 (Nr. 1, S. 13)

- Schreiben der Stadtverwaltung Oschatz vom 03.04.1995

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13. Planung Bismarckturm Penig

Der Nationalverein für Penig und Umgebung regte Anfang 1909 den Bau eines Bismarckturmes im Köbenwald, der gleichzeitig in einen Stadtpark umgewandelt werden sollte, an. Es wurde ein Ausschuss zur Errichtung eines Bismarckturmes unter Vorsitz von Justizrat Dr. Rüde gegründet. Bis zum Frühjahr 1910 wurden 2.000 Mark an Spenden gesammelt.

Am 10.03.1911 wurde, nachdem Justizrat Dr. Rüde verstorben war, Direktor Schinkel zum neuen Vorsitzenden des Ausschusses gewählt. Stellvertretender Vorsitzender wurde nach seiner Wahl Bürgerschullehrer E. Kempf.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1909 (Nr. 4, S. 66), Jg. 1910 (Nr. 4, S. 62); Jg. 1911 (Nr. 5, S. 92)

- Schreiben des Stadtarchivs der Stadtverwaltung Penig vom 24.09.1991 (Bürgermeisterin Pätzold)

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14. Planung Bismarcksäule Riesa-Weida

Bereits im Jahr 1898 planten Bismarck-Verehrer auf dem Weidaer Berge, der höchsten Erhebung in der Umgebung von Riesa, eine Bismarck-Feuersäule. Es wurde ein Komitee zur Errichtung einer Bismarcksäule mit Feuerträger gegründet. Ausgeführt werden sollte der Entwurf "Götterdämmerung" des Architekten Wilhelm Kreis.

Ende März 1903 wurden die Planungen für die geplante Bismarcksäule konkretisiert, der Spendenstand betrug zu dieser Zeit 2.872,32 Mark.

Am 20.05.1912 wurde vom Komitee festgestellt, dass der Baufonds erst auf 4.000 Mark angewachsen war und dass es mit dem Baubeginn voraussichtlich noch viele Jahre dauern werde.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1903 (Nr. 4, S. 4)

- Dresdner Journal vom 03.11.1899

- Schreiben der Stadtverwaltung Riesa vom 20.10.1994 (Herr Tschirner)

- Schreiben des Heimatmuseum Riesa vom 25.01.1995 (M. Prätzel)

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15. Planung Bismarckturm Schwarzenberg (Erzgebirge)

Bauinspektor Noack vom Erzgebirgszweigverein Schwarzenberg schlug Anfang 1899 den Bau eines Bismarckturmes auf dem Rockelmann vor. Am 22.02.1900 präsentierte Bauinspektor Noack auf der Hauptversammlung des Erzgebirgszweigvereins einen Entwurf für den Turm auf dem Rockelmann. Daraufhin wurde eine Kommission gebildet, um das Projekt weiter voran zu treiben und den Rockelmann für Naturfreunde und Besucher attraktiv zu machen.

Am 14.08.1901 veranstaltete Organist Kohlschmidt unter Mitwirkung vieler Künstler ein Konzert im Antonsthal, dessen Erlös von 110 Mark als Grundstock für den Turmbau dienen sollte.

Es kamen in den Folgejahren nur wenige Spenden zusammen, sodass Organist Kohlschmidt in der Jahresversammlung des Zweigvereins am 08.04.1908 an den geplanten Bismarckturm auf dem Rockelmann erinnerte und selbst durch weitere Zuwendungen von Konzerterträgen zu dem Projekt beitragen wollte. In einer außerordentlichen Hauptversammlung wurde kurz darauf beschlossen, einen Ausschuss zu bilden, der die erforderlichen Geldmittel aufbringen sollte.

Bis Mitte 1910 wuchs der Baufonds auf 5.000 Mark an.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1910 (Nr. 7/8, S 119)

- Glückauf, Organ des Erzgebirgsvereins, 19. Jg. 1899 (Nr. 3, S. 45/46); 20. Jg. (Nr. 4, S. 60); 22. Jg. 1902 (Nr. 8, S. 132); 28.Jg. 1908 (Nr. 6, S. 93/94; Nr. 8, S. 124)

- Schreiben der Stadt Schwarzenberg vom 05.01.1995 (Herr Speck)

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16. Planung Bismarckturm Tharandt

Im Jahr 1913 wurde unter den Bewohnern Tharandt eine Sammlung durchgeführt, um in Tharandt einen Bismarckturm oder ein Bismarckdenkmal zu errichten. Im Jahr 1913 waren bereits 4.800 Mark gesammelt worden.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1913 (Nr. 4, S. 58)

- Schreiben des Stadtarchivs Tharandt vom 23.09.1991 (ohne Namen)

- Schreiben der Stadtverwaltung Tharandt vom 28.02.1995 (Dr. B. Belati)

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17. Planung Bismarcksäule Wolkenstein

Im Frühjahr 1905 plante der Erzgebirgszweigverein in Wolkenstein, eine Bismarcksäule mit einem Relief oder ein Bismarckdenkmal zu errichten. Als Standorte wurden der Hagfelsen, die Brückenklippen und die Viehtrifthöhe diskutiert. Bürgermeister Steinbach plädierte in der Frühjahrsversammlung des Zweigvereins, die Bismarcksäule dort zu errichten, "wo sie unter dem Schutze des Publikums stehe". An den drei genannten Orten sollten Holzgerüste aufgestellt werden, um die ideale Höhe der Säule ermitteln zu können. Eine von Baumeister Schaarschmidt eingereichte Skizze wurde "als zweckentsprechend angesehen".

Im Jahr 1906 beschloss der Zweigverein, das Denkmal in den Haganlagen von Wolkenstein zu errichten. Die wuchtigen, massiven Felsenmassen als Postament wurden für eine Ehrung von Otto von Bismarck als besonders geeignet angesehen. Als weiterer Vorteil wurde genannt , dass es ins Bahnhofsnähe gebaut werden sollte und daher von Reisenden in der Bahn von Wolkenstein nach Annaberg, Jöhstadt, Oberwiesenthal, Karlsbad usw. gut gesehen werden konnte.

Im Jahr 1907 stellte der Zweigverein Wolkenstein beim Hauptverein den Antrag, ein Bismarckdenkmal oder alternativ eine Bismarcksäule in den Haganlagen zu beschließen.

In der Abgeordneten- und Hauptversammlung des Erzgebirgsvereins in Sayda am 20.07. und 21.07.1907 wurde betont, dass das Bismarckdenkmal als "mächtiger Turmbau" ausgeführt werden muss, allerdings auf dem Fichtelberg (Oberwiesenthal, s. Nr. 11 Bismarckturm-Planungen Sachsen). Der vom Zweigverein Wolkenstein gestellte Antrag (Standort: Haganlagen in Wolkenstein) wurde daraufhin zurückgezogen.


Quellen

- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1905 (Nr. 5, S. 5), Jg. 1907 (Nr. 3, S. 44)

- Glückauf, Organ des Erzgebirgsvereins, 25. Jg. 1905 (Nr. 5, S. 87/88); 26. Jg. 1906 (Nr. 12, S. 191); 27. Jg. 1907 (Nr. 5, S. 71-74; Nr. 6, S. 96; Nr. 7, S. 101-102; Nr. 8/9, S. 137-140)


Kleine Bildauswahl geplanter Bismarcktürme in Sachsen

Ansichtskartenmotiv geplanter Bismarckturm Penig Entwurf #1

Ansichtskartenmotiv geplanter Bismarckturm Penig Entwurf #2

Ansichtskarte Entwurf Fichtelberghaus Oberwiesenthal mit Bismarckturm (nicht realisiert) von Regierungsbaumeister Rohleder um 1910

Abbildung geplanter Bismarckturm Marienberg (Erzgebirge)