Der Monumentalturm am Starnberger See
Der Bismarckturm in Berg-Assenhausen
Vorbemerkung Teil 1 - Die Bismarck-Verehrung in München
Noch in Bismarcks Amtszeit als Reichskanzler wurde Otto von Bismarck von der Stadt München geehrt. Bereits zu Bismarcks 70. Geburtstag im Jahr 1885 hatte der Magistrat der Stadt München eine Bismarckfeier durchgeführt.
Der Maler Franz von Lenbach (*1836–†1904), der Ende des 19. Jahrhunderts zu den bekanntesten Malern Münchens gehörte und von Bismarck mehrere Portraits fertigte, regte auf einer Huldigungsveranstaltung im März 1890 zu Ehren des gerade entlassenen Reichskanzlers den Bau eines Bismarckturmes an.
Daraufhin wurde eine „Vereinigung zur Ehrung Seiner Durchlaucht des Fürsten Bismarck“ unter Vorsitz des ersten Münchner Bürgermeisters Dr. Johannes von Widenmayer gegründet. Prinzregent Luitpold spendete 5.000 Mark als Startkapital für die Vereinigung.
Nach einer vorbereitenden Versammlung im April 1890 wurde am 07. Juni 1890 bei der Hauptversammlung ein Ausschuss von insgesamt 24 Mitgliedern gewählt, der mit der Ermittlung eines geeigneten Turmstandortes und mit der Sammlung von Spenden für den Bau beauftragt wurde.
Von 24.-27. Juni 1892 besuchte der Ex-Reichskanzler auf einer Rundreise München und stieg bei seinem Portraitmaler Franz von Lenbach ab. Bismarck wurde offiziell in München empfangen, allein 3.000 Mitglieder studentischer Korporationen huldigten ihm.
Vorbemerkung Teil 2 – Der Standort des Bismarckturmes
Der Maler Franz von Lenbach plädierte für einen Standort des Bauwerkes in „Gottes freier Natur, mit der sich der Alte [Bismarck] doch seinen Lebtag enger verwachsen fühlte“. So erwarb das Komitee ein Gelände auf der Rottmannshöhe, benannt nach dem deutschen Landschaftsmaler Carl Rottmann (*1797-†1850), der diesen Punkt als „lieblichste Gegend“ mit „Fernsicht über See und Berge“ beschrieb.
Die Rottmannshöhe als Standort des Bismarckturmes bot als Panoramaberg eine beeindruckende Aussicht auf den Starnberger See und das Voralpenland.
Bauplanung
1892-1894
Kurz nach dem Besuch Bismarcks in München fertigten der Münchner Bildhauer Adolf von Hildebrand (*1847–†1921) und der Architekt Theodor Fischer (*1862-†1938) Entwürfe für einen Bismarckturm. Ziel war dabei weniger ein ernsthafter Ausführungsvorschlag, sondern zunächst die Fokussierung des Interesses auf den Bau eines Bismarckturmes und die damit verbundene Spendenbereitschaft der Bevölkerung.
Nach dem Tode des Münchner Bürgermeisters Dr. Johannes von Widenmayer am 30. März 1893 gerieten die Spendensammlungen ins Stocken.
Erst Ende 1894 wurde das Ziel, einen Bismarckturm zu errichten, von einem neuen Komitee wieder aufgenommen. Am 05. Dezember 1894 erwarb man ein 9.172 Hektar großes Gelände südlich der Rottmannshöhe am Starnberger See. Die Rottmannshöhe war zu dieser Zeit seit einigen Jahren ein sehr gut frequentiertes Ziel von Touristen (allein am Pfingstsonntag 1897 kamen 37.000 Besucher) und für die Bewohner von München gut mit der Eisenbahn erreichbar. Mit Ausflugsschiffen wurden die Besucher bis zur Anlegestelle Leonie gebracht. Von dort aus führte eine Seilbahn die Rottmannshöhe bergauf.
1895
Am 26. Januar 1895 wurde aus der Vereinigung ein Bismarck-Verein unter Vorsitz des Direktors der Löwenbrauerei, Kommerzienrat Anton Hertrich gegründet. Zweiter Vorsitzender des Vereins war Prof. Franz von Lenbach, Schatzmeister wurde der Direktor der Bayerischen Handelsbank, Wilhelm Freiherr von Pechmann. Der Bismarck-Verein benannte für den geplanten Turmbau einen Bismarck-Denkmal-Bauausschuss.
Die Aufnahmegebühr in den exklusiven Verein betrug 1.000 Mark, dazu kamen jährlich 20 Mark Mitgliedsbeitrag.
Mit einer geschätzten Bausumme von 300.000 Mark plante man ein monumentales Bismarck-Denkmal mit dem Anspruch eines Nationaldenkmals und ging mit einem erneuten Spendenaufruf an die Bevölkerung.
Am 16. Februar 1895 wurde ein Wettbewerb „unter allen bayerischen und in Bayern wohnenden Künstlern“ ausgerufen, um einen geeigneten Entwurf für einen „großen Aussichtsturm“ in „Verbindung mit einem Monument“ zu erhalten. Nach Begutachtung aller sechzehn eingereichter Entwürfe konnte sich das Preisgericht nicht auf einen geeigneten Entwurf festlegen, da die Verbindung zwischen Turm und Monument in den Entwürfen nicht optimal war.
Ende September 1895 wurde ein zweiter Wettbewerb ausgerufen, bei dem man achtzehn Künstler (inkl. der Teilnehmer des ersten Wettbewerbes) zur Fertigung neuer Entwürfe aufforderte. Diesmal spezifizierte der Bismarck-Verein die Ausschreibung, indem man keinen „Aussichtsturm mit praktischen Absichten“, sondern ein „Wahrzeichen“ forderte, welches „Wallfahrtsstätte“ und „Stätte gemeinsamer Feiern“ sein sollte.
1896
Am 24. Februar 1896 entschied sich das Preisgericht, welches neben fünf Vertretern des Vereins auch aus acht Künstlern bestand, die selbst am Wettbewerb teilnahmen [!], aus acht eingereichten Entwürfen (mit 3 Gegenstimmen) für den Entwurf des Architekten Theodor Fischer, selbst Vorsitzender des Bismarck-Vereins. Dieses vergleichsweise kleine Bauwerk hatte die Form eines Denkmals mit einer Aussichtshalle und orientierte sich gestalterisch an der "Igeler Säule" bei Trier, zusätzlich mit einer umlaufenden Arkadenhalle versehen.
Der Entwurf versprach einen verhältnismäßig preisgünstigen Bau, der weit unterhalb der veranschlagten 300.000 Mark zu realisieren war. Auf einen großen Aussichtsturm als Lueginsland (ursprüngliche Planung) wurde aus Kostengründen verzichtet. Die anderen sieben Entwürfe wurden zu je 500 Mark angekauft, alle Teilnehmer des Wettbewerbs wurden zu Ehrenmitgliedern des Bismarck-Denkmal-Bauvereins ernannt.
Die Gesamtbaukosten betrugen 190.000 Mark.
Bauarbeiten
Theodor Fischer wurde am 25. April 1896 mit der Ausführung seines Entwurfes beauftragt. Die bildhauerischen Arbeiten wurden von Joseph Floßmann und Georg Wrba durchgeführt. Ausführender Baumeister war Joseph Zwiesler.
Die Baugenehmigung durch den Prinzregenten erfolgte am 25. August 1896.
Auf eine Grundsteinlegung wurde bewusst verzichtet.
Als Baumaterial für den Turm wurden Kalk- und Tuffstein verwendet. Der kupferne Adler auf der Turmspitze wurde von Kiehne geschaffen, das Bismarckwappen und das Reichsadlerrelief aus Sandstein wurden in der Erzgießerei „Renaissance“ (Johann Lampel) hergestellt.
Im Jahr 1898 stand der Turm bereits im Rohbau. Ende April 1899 waren Bildhauer Floßmann und seine Mitarbeiter mit der Fertigstellung der letzten Skulpturen beschäftigt. Im Juni 1899 konnten die Baumaßnahmen abgeschlossen werden.
Turmbeschreibung
Der 30 m hohe mehrstufige Turm besitzt einen massigen quadratischen Unterbau, von dem von allen Seiten mittig 3 m hohe Freitreppen zur Wandelhalle mit jeweils vier offenen Rundbögen auf jeder Seite führen. Über dem flach abfallenden Kupferdach der Wandelhalle (Arkadenhalle) erhebt sich der eigentliche Turmschaft, der unten mit einem einfach profilierten Gesims begrenzt ist. Der eigentliche Turmschaft schließt nach oben ebenfalls mit einem Gesims ab.
Das nach oben hin spitz zulaufende Dach wird von einem gegliederten Fries unterbrochen, der auf jeder Seite vier Pfeiler und drei lukenartige Nischen aufweist. Die Pfeiler tragen ein schmales Gebälk, auf dem das Dach nach oben spitz zuläuft und von einem umlaufenden, ornamentalen Band girlandenartig bekränzt wird und knaufartig abschließt. Ein auf einer Kugel aufgesetzter kupferner Adler (stilisierter Reichsadler) bekrönt das Bauwerk.
Wandelhalle
Über die nördliche Treppe erreicht man eine Bismarck-Widmungstafel in Bronze, die von Theodor Fischer entworfen und von Georg Wrba gefertigt worden ist. Am Rahmen der Widmungstafel sind die „Vorfahren Bismarcks im Geiste“ als Portraitköpfe angebracht (Karl der Große, Friedrich Barbarossa, Otto der Große, Joh. Wolfgang von Goethe, Albrecht Dürer und Ludwig von Beethoven).
Inschriften
Nord und Sued auf ewig eins
Ausgeloescht die Grenze des Mains
Heilloser Zwiespalt fuer immer begraben
Bayern und Pfaelzer Franken u. Schwaben
Wie sie mit Preussen u. Hessen u. Sachsen
Alle aus einem Stamme gewachsen
Also mit Allen und Allen gleich
Machtvoll geeinigt zum Deutschen Reich
Wer hat dies gewaltig Werk vollbracht
Und alle Feinde zu Schanden gemacht
Wem hat unser HERRGOTT die Kraft geschenkt
Und die Weisheit die alles zum Ziele gelenkt
OttO von BISMARCK heisst der
Mann
Der uns Deutschen das Reich gewann
Das deutsche Reich vom Fels zum Meer
Darum rage zu seiner Ehr
Auch an dieser Stelle das Mal
Kuende den Bergen u. kuende dem Thal
Was er geschaffen in grosser Zeit
Gott erhalt es in Ewigkeit.
In der Wandelhalle sind die Wappenschilde der Bundesstaaten und freien Städte angebracht.
An der Südseite der Halle ist folgende Steininschrift zu lesen:
VOM BISMARCK-
VEREIN ERRICHT
DURCH THEODOR
FISCHER u. BEGONNEN 1896
VOLLENDET 1899
BILDWERKE V.
J.FLOSSMAN
AVSFÜHRVNG V.I.ZWISLER.
Am nördlichen Aufgang zur Wandelhalle ist eine Bismarck-Widmungstafel aus Sandstein mit folgender Inschrift angebracht:
DIESES DENKMAL VON EINEM VER-EINE
PATRIOTISCHER MÄNNER ZVR IMMER=
WÄHRENDEN ERINNERVNG AN DEN
ERSTEN KANZLER DES DEVTSCHEN REICHS
FÜRST OTTO V. BISMARCK
ERRICHTET IST AM 1. JVLI 1899
IN EINEM FEIERLICHEN AKTE DER
STADTGEMEINDE MÜNCHEN ZVR OBHVT
VND ALS EIGENTVM ÜBERGEBEN WORDEN.
Seitenflächen des Turmes
An den Seitenflächen sind zahlreiche Reliefs mit Personendarstellungen angebracht, die einen inhaltlichen Zusammenhang mit der Geschichte des deutschen Volkes vermitteln sollen. Teilweise wird der siegreiche Kampf gegen Frankreich und die daraus resultierende deutsche Einigung bildlich thematisiert. Dabei werden u.a. Motive aus der Märchen- und Sagenwelt verwendet. Das Hauptrelief auf der Nordseite zeigt "Mutter" Germania, die die Vertreter der Hauptstämme des Kaiserreichs (symbolisiert durch Jünglingsgestalten) unter ihrem Mantel schützend zusammenhält. Darüber befindliche Engel halten die frei herausgearbeitete Kaiserkrone (Reliefs und Skulpturen werden hier nur in Auswahl beschrieben, Beschreibungen in der Festschrift, Quelle s.u.).
Südseite
Reichsadler mit Bismarck-Wappen als Herzschild und Unterschrift
IN TRINITATE ROBUR
Reliefmotiv: u.a. Storch mit Kind [Otto von Bismarck] auf dem Rücken und Inschrift
1. April 1815
Westseite
Reliefmotiv: u.a. Heldenjüngling im Kampf gegen einen Drachen und Befreiung einer Jungfrau
Nordseite
Reliefmotiv: u.a. Germania, die vier Bruderstämme unter ihrem Mantel schützend vereinigt (Sinnbild der deutschen Einheit)
Ostseite
Reliefmotiv: u.a. zwei männlichen Gestalten, die den Norden und Süden symbolisieren sollen
Südöstlich des Turmes befindet sich ein Brunnen aus Muschelkalkstein mit Bismarck-Ehrung als Quellenheiligtum mit der Inschrift:
A.D.
1899.
Der Reliefschmuck am Brunnen stammt von Georg Wrba.
Turmgeschichte
1899
Bei der feierlichen Einweihung am 01.07.1899 waren der Ministerpräsident und Staatsminister, Freiherr Friedrich Krafft von Crailsheim als Vertreter des Prinzregenten, mehrere Minister, Rektoren, Offiziere, Künstler sowie zahlreiche Professoren und Studenten anwesend. Insgesamt waren 1.600 Gäste geladen worden. Die Festrede hielt Freiherr von Pechmann, danach überreichte Prof. Franz von Lenbach als Vorsitzender des Bismarck-Vereins und des Denkmalausschusses die Schenkungsurkunde an den Münchner Bürgermeister Wilhelm Ritter von Borscht. Nach Niederlegung von Kränzen endete die Feier mit einem Festmahl im benachbarten Hotel. An der Einweihungsfeier nahmen auch katholische Studentenverbindungen teil.
Der Ort der Feier wurde durch Militär und Feuerwehr abgesperrt, da man Proteste der "Socialisten" befürchtete. Es kam zu keinerlei Störungen des Festablaufs.
1900-1905
Ab 1900 wurde jährlich jeweils am 01.04. sowie am 30.07. (in manchen Jahren auch ein bis zwei Tage früher) anlässlich des Geburts- und Todestages von Münchens Ehrenbürger Otto von Bismarck von einer Abordnung der Stadtverwaltung ein Lorbeerkranz am Bismarckturm niedergelegt (bis mindestens April 1934). Ein Vertreter der Stadtverwaltung, ein Politiker oder ein Künstler hielt dazu jeweils eine feierliche Rede.
Am 02.09.1903 feierte die Ortsgruppe München des Alldeutsche Verbandes eine Sedanfeier am Turm.
Am 01.04.1905, Bismarcks 90. Geburtstag, begaben sich mehrere Münchner Bürger zum Turm und legten einen Lorbeerkranz ab. Abends fand eine Bismarckfeier im Löwenbräukeller statt.
1906-1908
Am 09.05.1906 veranstaltete die Riemerschmidtsche Handelsschule eine Friedensfeier am Turm. Die Festrede hielt Direktor Dr. Weiß.
Eine Gedenkfeier am Bismarckturm wurde am 08.06.1906, im Rahmen der 12. Hauptversammlung des deutschen Neuphilologen-Verbandes, durchgeführt. Am 21.06.1906 hielten die deutschen Schützen eine Bismarck-Gedenkfeier am Turm ab.
Anlässlich des 10. Todestages von Bismarck im Jahr 1908 gab es am Bismarckturm zahlreiche Aktivitäten. Am 01.04.1908 legten Vertreter der Stadtgemeinde einen Lorbeerkranz am Turm ab. Im Juni 1908 feierten 400 Burschenschafter eine Bismarck-Gedenkfeier im Rahmen einer patriotischen Kundgebung. Von Leoni aus zogen die Burschenschafter mit einer Militärkapelle hinauf zum Bismarckturm. Nach einer Rede und nationalen Gesängen wurde ein "Riesen-Lorbeerkranz mit Schleife und Inschrift" am Bauwerk abgelegt.
Die Münchner Studentenschaft zog in der ersten Julihälfte 1908 mit Fackeln zum Turm und hielt dort eine Bismarck-Gedenkfeier ab.
Anlässlich des Bismarck-Todestages wurde der Bismarckturm am 30.07.1908 von der Stadtgemeinde mit einer deutschen Flagge (auf Halbmast) und einer schwarzen (Trauer-)Flagge versehen. Ein Lorbeerkranz mit Schleife und Aufschrift "Die Stadtgemeinde München ihrem größten Ehrenbürger" wurde am Bauwerk abgelegt. Alle vier Seiten des Turmes wurden mit Eichenlaubsträngen geschmückt. Die eigentliche Bismarck-Feier fand im Gasthaus zu Allmannshausen statt.
Am 30.07.1908 legte auch die Studentenverbindung Polytechnischer Klub einen Kranz am Bismarckturm ab.
Anlässlich der Enthüllung der Bismarck-Büste in der Walhalla (Donaustauf) im Oktober 1908 wurde der Bismarckturm erneut geschmückt. Zudem wurde er an den Ecken mit vier Kandelabern versehen, die bei Einbruck der Dunkelheit befeuert wurden. Zusätzlich wurde das Bauwerk festlich beleuchtet.
1909-1914
Zur Kranzniederlegung am Todestag von Bismarck wurde der Bismarckturm Ende Juli 1912 zusätzlich mit großen Eichenkränzen und Girlanden geschmückt. Nach der obligatorischen Kranzniederlegung am 01.04.1913 fand im Gasthaus zu Ober-Allmannshausen eine Besprechung statt, wie man den Bismarckturm vor der heranrückenden Bebauung schützen kann. An dieser Besprechung nahmen auch Architekt Prof. Dr. Theodor Fischer (Architekt des Bismarckturmes) sowie Architekt Hansen teil.
Am 26.10.1913 wurde der Verschönerungsverein "Rottmannshöhe-Allmannshausen und Umgebung" gegründet, der nach seiner Gründung u.a. auch die Pflege des Bismarckturms übernahm.
1915-1919
Bei der jährlichen Kranzniederlegung am Freitag, 30.07.1915 um 11:00 Uhr hielt u.a. der Regisseur des Münchner Volkstheaters, Karl Neubert (*1868-†1937), die Bismarck-Rede in Form eines Gedichtes, welches in den lokalen Zeitungen abgedruckt wurde. Der Turm war mit einer Deutschland-Flagge (Halbmast) geschmückt. 18 Mitglieder des Magistrats und des Gemeindekollegiums München hatten sich am Turm versammelt. Eine weitere patriotische Festrede hielt Magistratsrat Schenk als Verwalter des Bismarckturmes.
Ab August 1915 wurden mehrere "Verwundeten-Ausflüge" [Anm.: Verletzte Teilnehmer des Ersten Weltkrieges] des Ordenlazaretts Diakonissenanstalt zum Starnberger See und zum Bismarckturm durchgeführt. Bei der Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am 30.07.1917 trug erneut Theater-Regisseur Karl Neubert ein Bismarck-Gedicht (diesmal von Schriftsteller Felix Dahn) vor.
1920-1934
Bei der Kranzniederlegung am 31.07.1920 versammelten sich Vertreter der bürgerlichen Parteien, Kreisräte, prominente Bürger aus München, Münchner Burschenschafter, Bismarck-Verehrer und Urlaubsgäste am Bismarckturm. Magistratsrat a.d. Schenk hielt eine Rede auf der Nordseite des Turmes.
Anlässlich des 25. Todestages Bismarcks, am So., 29.07.1923 (Vorabend des Todestages) wurde das Bauwerk erneut festlich geschmückt. Um 11:00 Uhr wurde von den bürgerlichen Fraktionen des Stadtrats ein Kranz niedergelegt und eine einfache Gedächtnisfeier abgehalten.
Zur 25. Einweihung des Bismarckturmes am 01.07.1924 fand am Turm ein Gedenkfest statt, auf dem Turm war die deutsche Reichsflagge gehisst. Münchner Künstler wie Franz Defregger, Bismarckturm-Architekt Prof. Theodor Fischer sowie Architekt Emanuel Seidl hatten sich als Ehrengäste eingefunden. Weiterhin war Minister Freiherr Friedrich Krafft von Crailsheim mit weiteren Ministern und Gesandten vor Ort. Die Festrede hielt Bankdirektor Wilhelm Freiherr von Pechmann.
Am 01.04.1925 wurde der 110. Geburtstag Otto von Bismarcks am Bismarckturm im Rahmen einer großen Gedenkfeier gewürdigt. Die feierliche Rede vor zahlreichen Besuchern hielt Oberbürgermeister Karl Scharnagl, der anschließend selbst den Kranz am Turm ablegte.
Im Juni 1925 wurde eine vom "Bund Oberland" geplante Sonnenwendfeier am Bismarckturm vom Münchner Stadtrat nicht genehmigt, die Feier fand aus diesem Grund 300 m vom Turm entfernt auf einem privaten Grundstück statt.
Am 01.04.1926 wurde der Bismarckturm anlässlich der Bismarckfeier mit Kranzniederlegung erneut geschmückt, diesmal waren die Rundgänge mit Fichtenkränzen und Frühlingssträußen geschmückt. Stadtrat Dr. Jodlbauer legte im Auftrag der Stadtgemeinde den Lorbeerkranz am Denkmal ab und hielt eine Rede.
Am 14. und 15.09.1929 fand in München der 3. Deutsche Bismarcktag statt. Vorsitzender der Tagung war Staatssekretär und Staatsminister a. D. Max Wallraf. Für diese Tagung hatte sich ein Ehrenausschuss aus Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in München gebildet.
Die Veranstaltung bestand aus zwei Teilen, einem Festabend im Odeon am Sa., 14.09.1929 und einer Feier am Bismarckturm am So., 15.09.1929. An der Feier nahmen "die "akademische Jugend in stattlicher Zahl", Vertreter der Unteroffiziervereinigung, Abordnungen des "Stahlhelm", Vertreter der "Marine Jugend Vaterland" sowie Bismarck-Verehrer teil.
Anfang Juli 1930 führte die Ortsgruppe Aufkirchen des paramilitärischen Wehrverbandes "Stahlhelm" eine abendliche "Befreiungsfeier" am Bismackturm durch. Ein Holzstoß wurde vor dem Turm entzündet, mehrere Böllerschüsse wurden abgefeuert.
Im Juni 1932 wurden 2.000 Broschüren mit einer Beschreibung des Bismarckturms kostenlos an Schulklassen abgegeben, die das Bauwerk besuchten. Ein beantragter Ausschank des Turm-Aufsehers von Milch und alkoholfreien Getränken an die Schüler wurde vom Hauptausschuss der Stadtgemeinde nicht genehmigt.
Am 01.04.1934 wurde der Bismarckturm anlässlich der Bismarckfeier mit Kranzniederlegung festlich geschmückt. Staatsminister Gauleiter Wagner hatte die studentischen Verbände, die HJ und alle interessierten Bürger eingeladen. Mehrere Hundert Personen nahmen an der Feier teil.
1935 bis heute
Die Wandelhalle des Turmes ist seit der Einweihung ganzjährig zugänglich. Seit der Einweihung 1899 ist das Bauwerk bis heute ein beliebtes Ausflugsziel.
Der Turm (als Ehrenturm ohne Feuerschale) wurde nicht als Aussichtsturm gebaut und kann nicht bestiegen werden.
Das Bauwerk war im Mai 2026 in einem äußerlich sehr guten Zustand.
Links
Quellen
- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 38-39
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM am STARNBERGER SEE (Bayern)
- Krauskopf, Kai: „Bismarckdenkmäler – ein bizarrer Aufbruch in die Moderne“, Dölling und Gälitz-Verlag 2002, München
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 14 "Bismarckturm am Starnberger See", 1900-1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 11/12, S. 5)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, Nr. 104 "Das Bismarck-Denkmal am Starnberger See"
- Festschrift: „Der Bismarckturm am Starnberger See“, München 1900
- Berliner Börsenzeitung: 15.04.1890
- Volkszeitung: 20.07.1892
- Deutsche Bauzeitung: 29.04.1896
- Kölnische Zeitung: 02.07.1899
- Badische Landeszeitung: 08.07.1899
- Jugend, Nr. 31/1899
- Süddeutsche Bauzeitung, IX. Jahrgang, Nr. 37 vom 16.09.1899, S. 291-292
- The Studio (Nr.. ?, 1900)
- Münchner Neueste Nachrichten: 03.04.1903; 03.09.1903; 03.04.1906; 11.05.1906; 29.10.1906; 17.04.1907; 31.07.1907; 02.04.1908; 29.06.1908; 22.07.1908; 04.07.1908; 01.08.1908; 16.10.1908; 02.04.1911; 01.08.1911; 31.07.1912; 01.04.1913; 18.06.1913; 04.11.1913; 31.07.1915; 01.08.1915; 10.08.1915; 15.08.1915; 12.09.1915; 04.04.1916; 01.08.1917; 02.04.1918; 01.08.1919; 31.07.1920; 25.03.1922; 01.04.1922; 26.03.1923; 28.03.1923; 26.07.1923; 28.03.1924; 02.07.1924; 12.07.1924; 27.03.1925; 30.03.1925; 02.04.1925; 29.07.1925; 27.03.1926; 03.04.1926; 31.03.1927; 02.04.1927; 06.10.1927; 30.03.1928; 24.03.1929; 29.03.1929; 07.08.1929; 13.09.1929; 16.09.1929; 24.03.1930; 02.04.1930; 07.07.1930; 27.03.1931; 31.03.1921; 02.04.1931; 23.03.1932; 31.03.1932; 17.06.1932
- Badische Presse: 21.06.1906
- Rosenheimer Anzeiger: 12.06.1908
- AZ am Abend: 31.03.1927
- Hamburger Nachrichten: 27.03.1934
- Münchner Merkur: 13.08.2017
Fotografen
- Jörg Bielefeld, Leverkusen (Mai 2007)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Juni 2009)
- Pascal Bellaire (Juli 2016)
- Lukas Ruge, Lübeck (März 2024)
- Silvia Weiß, Werdau (April 2025)
- Stephan Weinholz, Halle an der Saale (Mai 2026)
Übersichtskarte Standort Bismarckturm
Der genaue Standort ist über die Links zu Google Maps / Google Earth (s.o.) zu finden.
Bildergalerie Bismarckturm Berg-Assenhausen

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Berg-Assenhausen 1903

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Berg-Assenhausen undatiert

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Berg-Assenhausen 1921

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Berg-Assenhausen undatiert

Foto Bismarck-Feier am Bismarckturm Berg-Assenhausen am 01.04.1932

Foto Bismarck-Feier am Bismarckturm Berg-Assenhausen am 01.04.1932

Foto Bismarckturm Berg-Assenhausen Mai 2007

Foto Bismarckturm Berg-Assenhausen Mai 2007

Foto Bismarckturm Berg-Assenhausen Mai 2007

Foto Bismarckturm Berg-Assenhausen Mai 2007

Foto Bismarckturm Berg-Assenhausen Mai 2007
Foto Bismarck-Relief am Bismarckturm Berg-Assenhausen Juli 2016
Foto Bismarckturm Berg-Assenhausen Juli 2016
Foto Relief am Bismarckturm Berg-Assenhausen Juli 2016

Luftfoto Bismarckturm Berg-Assenhausen März 2024
Foto Bismarckturm Berg-Assenhausen April 2025
Foto Detail am Bismarckturm Berg-Assenhausen April 2025

Luft-Foto Bismarckturm Berg-Assenhausen November 2025

Luft-Foto Bismarckturm Berg-Assenhausen November 2025

Luft-Foto Bismarckturm Berg-Assenhausen November 2025

Luft-Foto Bismarckturm Berg-Assenhausen November 2025

Foto Bismarckturm Berg-Assenhausen Mai 2026

Foto Detail am Bismarckturm Berg-Assenhausen Mai 2026
Ansichtskartenmotive: Bismarckturm-Archiv Jörg Bielefeld, Leverkusen
Fotografien: Jörg Bielefeld, Leverkusen, ansonsten siehe jeweiliges Foto (Erlaubnis des Fotografen)











