Bismarckturm-Planungen Berlin
Zwei nicht realisierte Bismarckturm-Projekte
Auf dem heutigen Gebiet von Berlin wurde ein Bismarckturm errichtet. Zwei geplante Bismarcktürme wurden in den folgenden Ortsteilen nie realisiert:
- Berlin-Weissensee
- Berlin-Westend (Charlottenburg)
Nähere Angaben zu den Bismarckturm-Projekten in Berlin
Weissensee und Westend
1. Planung Bismarckturm Berlin-Weissensee
Im Jahr 1907 plante man, in Weissensee auf dem Lindenplatz (heute: Solonplatz) einen Bismarckturm zu errichten. Letztendlich wurde ein Bismarck-Gedenkstein errichtet.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1907 (S 216)
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2. Planung Bismarckwarte Berlin-Westend (Charlottenburg)
Bereits im Jahr 1899 plante die Berliner Studentenschaft den Bau einer Bismarcksäule in Berlin. Am 21.06.1899 fand in Zirkus Renz ein Festkommers der Berliner Studentenschaft "zu Ehren des Gedächtnisses des Fürsten Bismarck" statt. Der Ertrag war für die Berliner Bismarcksäulen (!) bestimmt. Am 21.12.1902 wurde der Bau einer Bismarckfeuersäule "voraussichtlich in Westend" geplant bzw. beschlossen [Anm.: Westend ist ein Ortsteil im heutigen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf].
Es wurde ein Bismarck-Ausschuss gegründet, der für die Bismarcksäule Spenden sammelte. Im Juli 1905 erwarb der Bismarck-Ausschuss ein 2,2 Morgen großes Grundstück vom "Eisenbahnfiskus" nahe des Fürstenbrunnen, auf dem höchsten Punkt von Nord-Westend auf Charlottenburger Gebiet.
Am 29.11.1905 wurde der Verein "Bismarckwarte-Westend" gegründet. Als Vorsitzender des Vereins wurde Julius von Schütz gewählt. Die Kosten wurden auf 80.000-100.000 Mark geschätzt. Man wählte den Entwurf des Berliner Architekten Friedrich Möller, der auch den Bismarckturm Apenrade entworfen hatte. Der Verein forderte zu Spendenbeiträgen auf.
Im Dezember 1907 war die Spendensumme lediglich auf 8.768 Mark angewachsen, dazu kam das erworbene Grundstück im Wert von 8.299 Mark.
In den Folgejahren wurden mehrere Veranstaltungen zugunsten der geplanten Bismarckwarte durchgeführt, z.B. die "Monstermusikaufführung" in der Ausstellungshalle des Zoologischen Gartens im Frühjahr 1908.
Im Sommer 1908 spendeten die Firmen Siemens & Halske und die Siemens-Schuckert-Werke insgesamt 10.000 Mark für den geplanten Bau.
Im Oktober 1908 präsentierte der Vorsitzende des Vereins Bismarck-Warte, Generalmajor a.D. Becker, Kaiser Wilhelm II. die Pläne der zu errichtenden Warte, welche vom Kaiser befürwortet und genehmigt wurden.
Anfang 1909 gab Generalmajor Becker bekannt, dass die bisherige Zeichnung nur eine vorläufige Entwurfsskizze sei und dass "der Turm Bismarcks aus dem heißesten Wettstreit aller deutschen Künstler hervorgehen" solle, da man breite Volksschichten zur Mitwirkung heranziehen wolle.
Im Frühjahr 1909 zählte der Verein bereits ca. 500 Mitglieder und die Spendensumme war auf mehr als 40.000 Mark angewachsen. Der Mitgliedsbeitrag pro Jahr betrug 3 Mark.
Im Sommer beteiligte sich die Stadtverordnetenversammlung in Spandau mit einer Spende von 1.000 Mark. Die Gesamtspendensumme betrug nun 65.000 Mark.
Am 01.10.1910 wurden die Architekten Prof. Dr. Bruno Schmitz, Architekt Emil Schaudt und Reg.-Baumeister a.D. R. Leibnitz zu einem engeren Architekturwettbewerb aufgerufen worden (Kosten dafür: 10.030 Mark). Die Kosten für die Warte wurden nun auf 400.000 Mark veranschlagt. Als Preisrichter für den Wettbewerb waren Prof. Dr. Friedrich H. Seeling aus Charlottenburg, Geh. Baurat Dr. O. March aus Charlottenburg, Prof. Dr. Friedrich von Thiersch aus München sowie als Vertreter des Vereins Generalmajor a.D. Becker und Prof. Dr. Louis aus Berlin eingesetzt. Die eingegangenen Entwürfe wurden im Sommer 1911 im Sonderraum 50b der großen Berliner Architekturausstellung öffentlich ausgestellt. Anschließend wurden diese im Charlottenburger Rathaus präsentiert.
Die Preisrichter wählten am 08.11.1911 den Entwurf von Prof. Dr. Bruno Schmitz aus Charlottenburg zur Ausführung aus, welcher als "glückliche architektonische Weiterbildung des Gedankens der Feuerstätte" beschrieben wurde.
Es wurde vom Verein festgestellt, dass das dem Verein gehörende Baugelände für den beabsichtigen Bau der Bismarckwarte einer erheblichen Erweiterung bedarf. Ein Gesamtkonzept sollte auch für die umliegende Bebauung erstellt werden. Für die Planung und Durchführung des Bauvorhabens wurde eine 15köpfiger Beirat für den Verein Bismarckwarte gebildet, dem auch Prof. Dr. Bruno Schmitz angehörte.
Das Vereinsvermögen betrug am 31.12.1911 insgesamt 103.932,14 Mark. Weitere 7.500 Mark kamen durch Reit- und Sportvorstellungen am 05.02. und 12.02.1912 im Zirkus Sarrasani zusammen.
Im Jahr 1912 existierten zwei verschiedene Bebauungspläne für das Gelände zwischen Fürstenbrunner Weg, Spandauer Damm (heutige Straßennamen) und der Hamburg-Lehrter Eisenbahn, der erste von Stadtbaurat Bredtschneider und dem Magistrat, der zweite von den Architekten Otto March und Bruno Taut. Für die Bismarckwarte des zweiten Bebauungsplans waren weiträumige Platzanlagen für nationale Feiern sowie für Sport und Spiel vorgesehen. An den Hauptstraßen sollten fünfgeschossige geschlossene Bebauungen entstehen, in Richtung Spreetal-Rand sollten die Gebäude niedriger errichtet werden. Als Vorbild diente die Gartenstadt Hampstead in London, die geplante fünfgeschossige Bebauung wurde von der Behörde des Polizeipräsidenten als unvereinbar mit den geltenden Bauordnungen zurückgewiesen.
Eine Bebauung und Parzellierung der Fläche fand vor dem Ersten Weltkrieg nicht mehr statt. Der Bau der geplanten Bismarckwarte Westend war somit gescheitert.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1902 (Nr. 2, S. 5); Jg. 1903 (Nr. 3, S. 5); Jg. 1905 (Nr. 8, S. 10, Nr. 13, S. 6); Jg. 1906 (Nr. 1; S. 13); Jg. 1907 (S. 216); Jg. 1908 (S. 99, S. 128, S. 204-205); Jg. 1909 (S. 18, S. 84); Jg. 1910 (S. 23-24, S. 85, S. 119); Jg. 1911 (S. 9-10, S. 123, S. 203)
- Gubener Zeitung (Beilage) vom 03.04.1900, Nr. 78 und 09.04.1903, Nr. 84
- Berliner Architekturwelt, XIII. Jg. 1911, S. 461, XIX. Jg. 1918, S. 166
- Stadt- und Landzeitung, Anzeiger für Calbe und Umgebung vom 09.04.1903, Nr. 84
- Akademische Blätter, Zeitschrift des Kyffhäuser-Verbandes der Vereine Deutscher Studenten, 14. Jg. (Nr. 22 vom 16.02.1900, Nr. 23 vom 01.03.1900); 15. Jg. (Nr. 21 vom 01.02.1901, Nr. 22 vom 16.02.1901, Nr. 23 vom 01.03.1901), 16. Jg. (Nr. 7 vom 01.07.1901); 17. Jg. (Nr. 1 vom 01.04.1902; Nr. 2 vom 16.04.1902, Nr. 4 vom 16.05.1902); 18. Jg. (Nr. 7 vom 01.07.1903); 23. Jg. (Nr. 14 vom 16.10.1908)
- Freiburger Zeitung vom 24.06.1899, Nr. 114
- National-Zeitung, Erstes Beiblatt zur Nr. 354 vom 09.06.1899, Erstes Beiblatt zur Nr. 388 vom 22.06.1899
- Stadtarchiv Stendal, BG-320, BG 166-1, Indexnummer 177
- Zentralblatt der Bauverwaltung, 31. Jg. 1911, S. 294-295
- Deutsche Bauzeitung, 45. Jg., No. 37 vom 10.05.1911, S. 321; No. 41 vom 31.05.1911, S. 388; No. 53 vom 05.07.1911, S. 453-455
- Berliner Architekturwelt, 14. Jg. 1912, S. 169-178
- Schreiben des Landesarchivs Berlin (Sabine Preuß) vom 11.10.1994
- Geschäfts- und Kassenbericht 1911/1912 der Bismarck-Warte-Westend (E.D.)
- Wolfgang Ribbe (Hrsg.): "Von der Residenz zur City - 275 Jahre Charlottenburg", Colloquium Verlag Berlin 1980, S. 274-275
Kleine Bildauswahl geplanter Bismarcktürme in Berlin

Geplante Bismarckwarte Berlin-Westend - Preisgekrönter und ausgewählter Entwurf von Architekt Bruno Schmitz
Abbildung - geplanter früher Entwurf Bismarckwarte Berlin-Westend

AK Spendenkarte für Bismarckwarte Berlin-Westend
