Bismarckturm-Planungen Hessen
Sechs nicht realisierte Bismarckturm-Projekte
Auf dem heutigen Gebiet von Hessen wurden dreizehn Bismarcktürme errichtet. Sechs geplante Bismarcktürme wurden nie realisiert.
In folgenden Orten sollten die Bauwerke gebaut werden:
- Bad Homburg vor der Höhe
- Frankfurt am Main
- Lahnstein-Niederlahnstein
- Offenbach am Main
- Schenklengsfeld-Wippershain bei Bad Hersfeld
- Schlangenbad
Nähere Angaben zu den Bismarckturm-Projekten in Hessen
Von Bad Homburg bis Schlangenbad
1. Planung Bismarckturm Bad Homburg vor der Höhe
1875-1884
Die neue gegründete "Sektion Homburg" des Frankfurter Taunus-Klub beschloss nach einer Wanderung auf den Herzberg, auf diesem Berg einen Aussichtsturm zu errichten. Ab Februar 1877 wurden Spenden für den geplanten steinernen Turmbau gesammelt. Aufgrund nur geringer Spendenerträge wurde Anfang 1878 ein 18 m hoher, provisorischer Holzturm als Aussichtsturm errichtet (Kosten: 1.720 Mark) und am 09.04.1878 eröffnet. Zunächst sammelte man weitere Spendenmittel für einen steinernen Turm, doch nach 1881 wurden die relativ geringe Spendensumme für andere Mittel verwendet. Für den Holzturm rechnete man mit einer "Lebensdauer" von 15-20 Jahren.
1885-1909
Am 01.01.1885 wurde aus der Sektion der "Homburger Taunus-Club" gegründet. Ab 1891 schuf man einen Baufonds für einen massiven Aussichtsturm, der 1895 auf 2.008 Mark angewachsen war. Zu dieser Zeit war der Holzturm schon marode und nicht mehr besteigbar.
Am 05.08.1903 wurde von Louis Jacobi vom Homburger Taunus-Klub angeregt, einen "Bismarckturm" auf dem Herzberg in Bad Homburg zu errichten. Schreinermeister Robert Fritzel und Dekorationsmaler Karl Lepper fertigten ein Turmmodell an. Im Frühjahr 1904 stellte man das Modell aus. Der projektierte Bismarckturm sollte 40 m hoch gebaut werden und 30.000 Mark kosten. Landrat Gustav Karl Ebbinghaus (*1864-†1946) spendete 1.000 Mark, Landesgeologe Reinach 500 Mark, Rentner Miquel 300 Mark und Oberbürgermeister Ernst Ritter von Marx (*1869-†1944) 500 Mark. Eine weitere Spende in Höhe von 1.000 Mark erfolgte von Frau Dr. A. v. Brüning am 01.04.1905.
Aufgrund der "reichlichen" Spenden wurde im Sommer 1905 beschlossen, den Bau in Kürze zu beginnen. Im Herbst 1905 bewilligte der örtliche Magistrat für die nächsten 5 Jahre jeweils 200 Mark pro Jahr, zudem wurden dem Taunusklub aus dem städtischen Steinbruch "Bruch- und Losesteine" überlassen.
Kaiser Wilhelm II. weilte am 26.07.1906 im nahegelegenen Kastell Saalburg. Mitglieder des Homburger Taunus-Klubs zeigten ihm das Modell des geplanten Bismarckturmes, welches anschließend vom Kaiser abgelehnt wurde. Kaiser Wilhelm II. forderte in Anbetracht des Kastells Saalburg und des römischen Limes einen Aussichtsturm in Form eines altrömischen Wachtturmes.
1910-1911
Die Pläne für den neuen Aussichtsturm im (vermuteten) altrömischen Stil nach Vorschlag des Kaisers fertigte Architekt Heinrich Foeller aus dem Baubüro von Louis Jacobi an.
Am 12.04.1910 weilte Kaiser Wilhelm II. erneut in Homburg und das neue Modell wurde ihm präsentiert. Bereits am 20.07.1910 wurde der Grundstein des 25,50 m hohen Herzbergturmes gelegt. Der Rohbau war am 15.09.1910 fertig gestellt, am 13.10.1910 wurde Richtfest gefeiert. Die feierliche Einweihung erfolgte am 30.07.1911.
Die Kosten von 25.000 Mark (inkl. Nebenanlagen 28.000 Mark) konnten durch Spendenmittel gedeckt werden.
Der Herzbergturm wird auch heute noch als Aussichtsturm genutzt. Es ist - soweit bisher bekannt - das einzige Mal, dass Kaiser Wilhelm II. den Bau eines Bismarckturmes abgelehnt bzw. verhindert hat [Anm.: Eine kaiserliche Genehmigung wäre hier nicht erforderlich gewesen, diese hatte Kaiser Wilhelm II. exklusiv für die Errichtung und Gestaltung von Kaiser-Wilhelm-Denkmälern und - Türmen gefordert].
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1903 (Nr. 5, S. 3); Jg. 1904 (Nr. 6, S. 2); 1905 (Nr. 8, S. 10; Nr. 11, S. 11)
- Louis Jacobi (1836-1910) - Baumeister und Bürger Homburgs, Ausstellungskatalog 1986 (S. 50-52)
- Der Taunus - 50 Jahre Taunusklub, S. 13 (undatiert)
- Amtlicher Fremdenführer Taunus 1939/40, S. 85-86
- Taunusklub-Führer 1905 und 1906
- Maass, Willy: "Geschichte des Herzbergturms" in Alt-Homburg, Nr. 10 (1967)
- Walsh, Gerta: "Im Heumonat vor 75 Jahren - Grundsteinlegung zum Herzbergturm" in Alt-Homburg, Nr. 6/7 (1985)
- Grosche, Heinz: "Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe", Bad, III - Die Kaiserzeit, S. 288-293 (ohne Verlag)
- Homburger Tageblatt vom 31.07.1911
- Schreiben des Stadtarchivs im Gotischen Haus Stadt Bad Homburg vor der Höhe vom 07.10.1994
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2. Planung Bismarckturm Frankfurt am Main
Nach der Einweihung des Bismarck-Standbildes mit reitender Germania am Theaterplatz in Frankfurt am Main am 10.05.1908 bestand der Ausschuss zur Errichtung dieses Bismarck-Denkmals bis 1910 weiter. In seiner letzten Sitzung am 01.07.1910 wurde vom Oberbürgermeister ein Überschuss in Höhe von 7.000 Mark festgestellt. Dieser sollte für den "auf Frankfurter Gebiet zu erbauenden Bismarck-Turm bestimmt" sein.
Weitere Planungen für diesen Turm sind nicht bekannt.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1910 (Nr. 7/8, S. 115)
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3. Planung Bismarckturm Lahnstein-Niederlahnstein
In der Sitzung des Verschönerungsvereins Niederlahnstein am 01.04.1911 wurde beschlossen, auf der nördlichsten Höhe des Lichter Kopfes im heutigen Naturpark Nassau einen Bismarckturm oder eine Bismarcksäule zu errichten. Für den Turmbau wurde "alsbald eine ansehnliche Summe gezeichnet".
Quellen
- Wiesbadener Generalanzeiger vom 03.04.1911
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4. Planung Bismarckturm Offenbach am Main
Die Offenbacher Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes regte im Jahr 1909 den Bau eines Bismarck-Gedenksteines oder einer Bismarcksäule auf Offenbacher Gebiet an. Im Jahr 1914 entschied man sich für eine Bismarck-Ehrung in Form eines Denkmals, welches im Jahr 1915 errichtet werden sollte. Der Ausschuss nationaler Vereine stellte eine Summe von 600 Mark für diesen Zweck zur Verfügung.
Aufgrund des einsetzenden Ersten Weltkrieges wurden die Pläne nicht realisiert.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1909 (S. 83), Jg. 1914 (S. 11)
- Schreiben der Stadt Offenbach (Stadtarchiv; Hans. G. Ruppel) vom 19.06.1987
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5. Planung Bismarckturm Schenklengsfeld-Wippershain bei Bad Hersfeld
Anfang 1911 planten Bismarck-Verehrer, auf der Wippershainer Höhe einen Aussichtsturm zu errichten und diesen "Bismarckturm" zu nennen. Zu diesem Zweck sollten am 01.04.1911 (Bismarcks Geburtstag) ein Blumentag veranstaltet werden, dessen Erlös dem Baufonds zufließen sollte.
Das Turmbauprojekt wurde nicht realisiert.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1911 (Nr. 1, S. 11)
- Schreiben der Kreisstadt Bad Hersfeld (Herr Roßbach) vom 24.08.1994
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6. Planung Bismarckturm Schlangenbad
Im Jahr 1906 plante eine Turmbaukomitee die Errichtung eines Bismarckturmes auf dem Hansenkopf bei Schlangenbad. Spendensammlungen wurden durchgeführt. Die Spendensumme soll bereits so hoch gewesen sein, dass man im November 1906 den Baubeginn für diesen Bismarckturm plante. Der Turm wurde aus unbekannten Gründen nicht errichtet.
Quellen
- Wiesbadener Generalanzeiger vom 15.11.1906
Kleine Bildauswahl geplante Bismarcktürme in Hessen

Ansichtskartenmotiv geplanter Bismarckturm Bad Homburg (Herzberg)

Ansichtskartenmotiv realisierter Herzbergturm Bad Homburg 1916
