Ansichtskartenmotiv Bismarcksäule Coburg undatiert

Standort

Himmelsacker




Datenblatt


Höhe: 16 m

Kosten: 16.000 Mark

Grundsteinlegung: 02.09.1900

Einweihung: 30.06.1901

Foto Bismarcksäule Coburg Mai 2026

Die Säule auf dem Himmelsacker
Der Bismarckturm in Coburg


Bauplanung

1899

Fünf Bismarckverehrer, die sich über einen Artikel gegen den Bau von Bismarck-Denkmälern im „Democraten-Blatt“ vom 08.01.1899 ärgerten, beschlossen den Bau einer Bismarcksäule in Coburg.

Es wurde ein Baukomitee unter Vorsitz von Prof. Dr. Gebhardt aus Coburg gegründet und ein Spendenaufruf veröffentlicht.

Der Bauplatz des Turmes auf dem Gipfel des Judenberges (auch „Himmelsacker“ genannt“, 386 m ü. NN) wurde von Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha (*1844-†1900) zur Verfügung gestellt.


1900

Der Herzog genehmigte im Januar 1900 den von der Studentenschaft preisgekrönten Entwurf „Götterdämmerung“ von Architekt Wilhelm Kreis.

Der Kostenanschlag für die Bismarcksäule lag bei 16.000 Mark. Anfang 1900 war der Baufond durch Spenden bereits auf 6.000 Mark angewachsen.

Trotz kritischer Stimmen der Opposition genehmigten die Stadtverordneten von Coburg am 24.06.1900 insgesamt 1.000 Mark für das geplante Bauwerk.

Bereits am 02.09.1900 wurde der Grundstein für die Bismarcksäule (in Coburg fast durchgängig nur Bismarckturm genannt) gelegt. Die Ansprache bei der Grundsteinlegung hielt Prof. Dr. Gebhardt.


1901

Anfang 1900 war der Baufonds so hoch, dass nur noch wenige Tausend Mark fehlten. Am 23.03.1901 wurden bei einem zum Besten des Bismarckturmes durchgeführten Festabend in der Vereinsbrauerei 3.500 Mark für den Turmbau eingenommen.

Die Gesamtkosten für den Turmbau betrugen 16.000 Mark, die Gestaltung der gärtnerischen Anlagen kostete zusätzlich 1.400 Mark.


Bauarbeiten

Als Material für diesen Turm wurde grauweißer Sandstein verwendet, der aus einem Steinbruch aus dem benachbarten Ort Weißenbrunn beschafft wurde. Für den Reichsadler wurde gelber Jurasandstein aus dem Banzer Forst verwendet.

Die Bauausführung erfolgte durch Baurat Carl Kleemann aus Coburg.


Turmbeschreibung

Als Basis des 16 m hohen Aussichtsturmes mit Befeuerungsvorrichtung dient ein zweigeschossiges quadratisches Podest von jeweils 0,80 m Höhe. Die untere Podeststufe ist 11,41 m x 11,41 m, die obere Stufe 9,07 m x 9,07 m breit. Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 6,43 m x 6,43 m.

Eine Treppe mit 12 Stufen (Stufenbreite unten: 1,31 m, Stufe 10+11: 1,16 m, Stufe 12: 0,90 m) führt auf der Westseite durch Podeststufen und Sockel zum 2,80 m x 0,90 m großen Eingangsbereich des Turmes mit einer 2,10 m x 0,90 m großen metallenen Eingangstür.

Oberhalb des Einganges ist mittig in dem 1,60 m breiten Feld zwischen den ¾-Säulen die Jahreszahl


1901 

angebracht.

Die Ostseite des Turmes (Stadtseite) wurde mit einem Reichsadlerrelief (in einem Rechteck eingelassen) versehen, welches von Bildhauer Max Beyersdorf unter Beirat des Bildhauers Professor August Sommer aus gelbem Jurasandstein gefertigt wurde. An der Nord- und Südseite ist jeweils ein schmaler Fenster-Schlitz eingelassen.

Der Turmschaft besteht aus insgesamt 14 Reihen von ca. 60 cm großen Sandsteinquadern. Die vier Kanten des Schaftes bestehen aus ¾-Säulen, die von einem Architrav mit dreistufigem Oberbau zusammengehalten werden.

Über eine Holztreppe im Innern gelangte man ursprünglich zur Aussichtsplattform und zum Feuerkorb aus Draht.

In diesem Drahtkorb wurden 75 kg Kolophonium, 37,50 kg Petroleum und Baumwolldochte entzündet. Dies führte zu einer Flammenhöhe von 4-5 m bei einer Brenndauer von zwei Stunden.

Diese mittelgroße Ausführung der Bismarcksäule von Wilhelm Kreis hat im Gegensatz zu den meisten anderen Bismarcksäulen keinen Halsring. Sie besitzt zwischen Kehle und Wulst einen stärkeren Architrav. Die Wulst ist etwas gedrückter und niedriger.


Turmgeschichte

1901-1903

Am 30.06.1901 ab 16:30 Uhr fand die feierliche Turm-Einweihung im Rahmen eines Volksfestes statt. Es nahmen u.a. der Regierungsverweser, Erbprinz Ernst zu Hohenlohe-Langenburg, Prinzessin Beatrice, die Spitzen der Staats- und städtischen Behörden, die Vereine sowie zahlreiche Schüler und Coburger Bürger teil.

Der Vorsitzende des Baukomitees, Prof. Dr. Gebhardt, übergab das Bauwerk nach der Festrede dem Regenten. Dieser nahm das Bauwerk in seine Obhut und übergab den Turmschlüssel an Staatsrat Messmer als Chef der Herzoglichen Domänenverwaltung.

Am Einweihungstag wurde der Feuerkorb auf dem Turmkopf zum ersten Mal entzündet.

Nach der Einweihung wurde der Bismarckturm-Verein e.V. gegründet, um das Bauwerk unterhalten zu können. Mitglieder zahlten einen jährlichen Beitrag und konnten als Gegenleistung für sich und Angehörige kostenlos den Turmschlüssel ausleihen.

Der Eintritt für Nicht-Mitglieder kostete 10 Pfennig.

Zu Bismarcks Geburtstag, am Sedantag und teilweise zu anderen Anlässen (z.B. Geburtstag von Kaiser Wilhelm II.) wurde die Bismarcksäule bis 1914 regelmäßig befeuert.


Nachgewiesene Befeuerungen bis 1903:

26.01.1902; 01.04.1902; 31.03.1903 (hier auch zusätzlich zwei Feuer vor dem Turm); 02.09.1903


1904-1929

Im Jahr 1904 beabsichtigte der Bismarckturm-Verein, am Turm eine Schutzhütte für insgesamt 4.000 Mark zu erbauen. Hierzu wurden Anteilsscheine im Wert von je 10 Mark ausgegeben, in der ersten beratenden Versammlung wurden bereits 500 Mark gezeichnet. Die Hütte sollte für alle Besucher frei zugänglich sein.

Ende 1904 hatte der Bismarckturm-Verein insgesamt 490 Mitglieder. An Mitgliedsbeiträgen wurden 778,50 Mark eingenommen, dazu kamen 76,65 Mark an "außerordentlichen Beiträgen". An Eintrittskarten (Nicht-Mitglieder) wurden im Jahr 1904 14,50 Mark eingenommen. Eine Restschuld auf die Bismarcksäule von 884,35 Mark sollte im Jahr 1905 bezahlt werden.

Im Februar 1906 berichtete Prof. Dr. Gebhardt in der Generalversamlung des Bismarckturm-Vereins in der Aktienbierhalle Coburg, dass der Verein ab sofort schuldenfrei sei. Überschüsse des Vereins sollten ab sofort für die Veranstaltung von "Freuden-Feuern" und Instandhaltung der Wege verwendet werden.

Am 17.08.1909 war das Innere des Bismarckturmes in dichten Rauch gehüllt, eine unter der Holztreppe stehende Öl-Kanne war ausgebrannt. Das in unmittelbarer Nähe gelagerte Fass mit Kolophonium (für die Befeuerung des Feuerkorbes) hatte sich nicht entzündet. Die Holztreppe blieb bei dieser mutmaßlichen Brandstiftung ebenfalls unbeschädigt.

Die Sedanfeier vor dem Turm mit Turm-Befeuerung am 02.09.1911 wurde wegen anhaltender Trockenheit abgesagt.

In der Generalversammlung des Bismarckturm-Vereins im Februar 1913 wurde berichtet, dass der Verein insgesamt 384 Mitglieder hat. Die Einnahmen betrugen 519,50 Mark durch Mitgliedsbeiträge und 124,80 Mark durch Turmbesuche. Auf einem zuvor angelegten Fond für Reparaturarbeiten waren 887,20 Mark angespart worden.

Anfang 1913 plante die Stadt Coburg zur Wasserversorgung den Bau eines Hochbehälters am Bismarckturm. Ende Oktober 1913 wurden 800 m² Grundstück für den Bau des Wasserhochbehälters am Bismarckturm erworben. Im Frühjahr 1914 wurde der neue Hochbehälter (2.500 m³ Fassungsvermögen) fertiggestellt. Der kleine Hochbehälter am Bismarckturm hat ein Fassungsvermögen von 400 m³.

Aufgrund des Kriegsbeginns wurde die Sedanfeier inkl. Turmbefeuerung am 02.09.1914 abgesagt.

Statt einer Befeuerung anlässlich Otto von Bismarcks 100. Geburtstag am 01.04.1915 wurde am Turm ein Lorbeerkranz abgelegt.

Seit dem 01.07.1920 gehört Coburg zum Freistaat Bayern.

Am 01.04.1921 wurde eine Bismarck-Feier am Bismarckturm abgehalten. Um 19:00 Uhr startete eine Festzug mit mehreren Hundert Bismarck-Verehrern vom Schlossplatz zum Turm. Zudem hatte sich eine große Anzahl von Gegnern eingefunden, die auch zum Turm zog und die dortige Bismarck-Feier stören wollte. Die Gegner verhinderten eine Ansprache von Pfarrer Weiß durch "Johlen und Brüllen" von Parolen wie "So verteidigen wir Arbeiter die Republik!".

Das Turmfeuer konnte aus technischen Gründen, die "Freuden-Feuer" vor dem Turm wegen Brandgefahr nicht entzündet werden, sodass es am Turm dunkel blieb.

In den Folgejahren wurden jeweils am 01.04. Bismarck-Feiern im Festsaal der Hofbräu-Gaststätten bis mindestens 1927 durchgeführt.

Am 31.03.1928 wurde die Bismarck-Feier direkt am Bismarckturm abgehalten, dazu wurden zwei Holzstöße vor dem Turm entzündet. Die Mäurer-Kapelle spielte, Gewerbeschulrat Dürr begrüßte die Anwesenden im Namen des Bismarckturm-Vereins. Die Festrede hielt Bezirksamtmann Dehler.

Der Bismarckturm-Verein war bis mindestens Ende der 1920er Jahre aktiv.


Nachgewiesene Befeuerungen 1904-1913:

27.01.1904; 31.03.1904; 02.09.1904; 01.04.1906 (auch "Freuden-Feuer" vor dem Turm); 02.09.1906 (vorher: Wett-Turnen von Schülern vor dem Turm); 01.04.1907 (vorher: Festkommers in der Aktienbierhalle); 01.09.1907 (Festliche Veranstaltung vor dem Turm, Rauchbelästigung bei der Befeuerung durch starken Wind); 02.09.1908 (vorher: Konzert der Stadtkapelle vor dem Turm); 02.09.1909 (vorher: Konzert der Stadtkapelle vor dem Turm); 01.04.1913; 18.10.1913 (Nationalfeier am Bismarckturm, am 19.10.1913 Festfeier im Salle der Hofbrauhausbierhalle).


1930-1996

Der Feuerkorb wurde vor 1964 abgenommen.

Von 1964 bis 2008 war auf dem Turmkopf eine Fernseh-Umsetzeranlage installiert.

Im Jahr 1996 wurden im Rahmen der Sanierung neben kleineren Ausbesserungsarbeiten die Treppe und der Turmkopf erneuert.


1997 bis heute

Das Bauwerk war im Jahr 2008 mit Graffitis verunziert, die in den Folgejahren entfernt wurden.
Im Juli 2017 wurde vom heimischen Baubetrieb (CEB) angekündigt, dass der 80 m lange Fußweg zum Bismarckturm bis Ende 2017 aspaltiert wird.

Im Mai 2026 war der Bismarckturm teilweise zugewachsen und äußerlich in einem sanierungsbedürftigen Zustand.

Das Bauwerk ist für den Besucherverkehr geschlossen (Stand: Mai 2026).


Trivia

Im Mai 1899 stellte Architekt und Baurat Georg Meyer (*1834-†1907) in seinem Hausgarten Löwenstraße 29 in Coburg eine 2 m hohe Miniatur-Bismarcksäule aus Sandstein nach dem Entwurf "Götterdämmerung" auf. Am 02.05.1902 enthüllte er eine auf die Miniatur-Bismarcksäule aufgesetzte Büste (Bismarck in Kürassier-Uniform). Säule und Büste waren im Garten von Lorbeerbäumen umgeben.


Links

Google Maps

Koordinaten und Kartendienste


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 89
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von COBURG (Bayern)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 44 "Bismarck-Feuersäule zu Coburg", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 3), 5. Jahrgang 1907 (Beilage: „Die Bismarck-Feuersäule“), 7. Jahrgang 1909 (Nr. 9/10, S. 167)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903, "Die Bismarck-Säule (Architekt Kreis) auf dem Himmelsacker bei Coburg"

- Lehfeld/Voss: Bau und Kunstdenkmäler Thüringens, Jena 1906

- Schwarzburg-Rudolstädtische Landeszeitung, 131. Jg. Nr. 20 vom 24.01.1899; 132. Jg., Nr. 10 vom 13.01.1900; Nr. 146 vom 26.06.1900; 133. Jg., Nr. 75 vom 29.03.1901; Nr. 130 vom 06.06.1901; Nr. 147 bvom 26.06.1901, Nr. 154 vom 04.07.1901

- Coburger Zeitung vom 18.08.1899; 27.01.1901; 02.04.1902; 04.05.1902; 27.01.1903; 13.02.1903; 29.03.1903; 02.04.1903; 30.08.1903; 03.09.1903; 29.12.1903; 26.01.1904; 28.01.1904; 01.04.1904; 03.04.1904; 28.08.1904; 01.09.1904; 03.09.1904; 12.12.1904; 01.04.1905; 11.02.1906; 01.04.1906; 04.09.1906; 04.04.1907; 10.08.1907; 03.09.1907; 01.04.1908; 01.09.1908; 02.09.1909; 01.04.1910; 01.04.1911; 31.08.1911; 31.01.1913; 01.03.1913; 30.03.1913; 30.08.1913; 18.10.1913; 21.10.1913; 28.10.1913; 31.12.1913; 17.04.1914; 22.08.1914; 07.04.1915; 30.03.1921; 01.04.1921; 02.04.1921; 04.04.1921; 06.04.1921; 08.04.1921; 22.02.1922; 30.03.1922; 02.04.1922; 23.06.1924; 30.03.1926; 02.04.1927; 28.03.1928; 30.03.1928; 02.04.1928

- Münchner Neuste Nachrichten, Nr. 30 vom 19.01.1900

- Kölnische Zeitung Nr. 694 vom 05.09.1900

- Deutsche Zeitung Nr. 208 vom 06.09.1900

- Hannoverscher Courier Nr. 23110 vom 16.04.1901
- Jörg Bielefeld, Leverkusen (Turmmaße Mai 2013, Angaben ohne Gewähr)


Fotos

- Jörg Bielefeld, Leverkusen (Oktober 1998, Mai 2003, Mai 2013, Mai 2026)
- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (August 2008)
- Marek Moson, Breslau (Mai 2013)
- Ralph Männchen, Dresden (März 2015)

- Richy Oelke, Kelkheim (Januar 2021)

- Lukas Ruge, Lübeck (Oktober 2021)

- Silvia Weiß, Werdau (April 2025)

Übersichtskarte Standort Bismarckturm

Der genaue Standort ist über die Links zu Google Maps / Google Earth (s.o.) zu finden.

Bildergalerie Bismarckturm Coburg

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Coburg undatiert

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Coburg 1916

Foto Bismarckturm Coburg Mai 2013

Ansichtskartenmotiv Einweihung Bismarckturm Coburg 1901

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Coburg 1901

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Coburg 1902

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Coburg 1901

Foto Bismarckturm Coburg Oktober 1998

Foto Bismarckturm Coburg Mai 2003

Foto Bismarckturm Coburg Mai 2003

Foto Bismarckturm Coburg Mai 2013

Foto Detail Bismarckturm Coburg Mai 2013

Foto Bismarckturm Coburg Januar 2021

Foto Bismarckturm Coburg Januar 2021

Foto Bismarckturm Coburg Januar 2021

Foto Bismarckturm Coburg Oktober 2021

Foto Bismarckturm Coburg Oktober 2021

Foto Bismarckturm Coburg April 2025

Foto Eigang Bismarckturm Coburg April 2025

Ansichtskartenmotive: Bismarckturm-Archiv Jörg Bielefeld, Leverkusen

Fotografien: Jörg Bielefeld, Leverkusen, ansonsten siehe jeweiliges Foto (Erlaubnis des Fotografen)