Bismarckturm-Planungen Brandenburg
Sechs nicht realisierte Bismarckturm-Projekte
Auf dem heutigen Gebiet von Brandenburg wurden elf Bismarcktürme errichtet. Sechs geplante Bismarcktürme wurden nie realisiert.
In folgenden Orten sollten die Bauwerke gebaut werden:
- Fürstenwalde/Spree
- Groß Pankow-Retzin (Kreuzburg)
- Neubrandenburg
- Neuruppin
- Perleberg (Prignitz)
- Prenzlau
Nähere Angaben zu den Bismarckturm-Projekten in Brandenburg
Von Fürstenwalde bis Prenzlau
1. Planung Bismarckturm Fürstenwalde/Spree
Anfang 1907 trafen sich Bismarck-Verehrer aus Fürstenwalde, um einen Bismarckturm zu errichten. Bei einem Bismarck-Kommers am 23.03.1907 wurden 450 Mark an Spenden für den Turmbau gesammelt. Es wurde zunächst ein Ausschuss unter Vorsitz von Prof. Dr. Breitenbach, Kaufmann L. Glenk und Dr. Wolter, alle aus Fürstenwalde/Spree, gegründet, anschließend wurde der "Verein Bismarckturm auf den Rauener Bergen" gegründet. Der Bismarckturm sollte auch als Aussichtsturm dienen.
Im August 1907 errichtete die Militärverwaltung einen 44 m hohen, hölzernen Turm nahe der Markgrafensteine, der hauptsächlich der militärischen Vermessung und der drahtlosen Telegrafie, aber auch als Aussichtsturm dienen sollte. Die Forstverwaltung hatte für diesen Bau Holz im Wert von 4.000 Mark angeliefert. Dieser hölzerne Bau wurde teilweise, auch auf Ansichtskarten, fälschlicherweise als Bismarckturm ausgegeben.
Der Bismarckverein errichtete zusammen mit dem örtlichen Verschönerungsverein am Fuße des Turmes eine Waldhalle als Schutz für Wanderer und als Möglichkeit der Verpflegung. Der Militärfiskus stellte beiden Vereinen Holz zu diesem Zweck zur Verfügung.
Der Bismarckverein plante ab 1908 den Bau eines massiven Aussichtsturmes nach dem Entwurf von Architekt Otto Rietz aus Berlin. Neben dem avisierten Baugrundstück entstand zunächst die Bismarckbaude, eine Gaststätte mit Terrasse. Zum Bau des massiven Bismarckturmes kam es nicht.
Bis heute wurden auf den Rauener Bergen zahlreiche Türme errichtet und wieder abgerissen:
- um 1860-1879 - Vermessungs-Holzturm
- 1907-1920 - 44 m hoher Holzturm des Militärs, der auch als Aussichtsturm diente, 1920 durch Blitzschlag zerstört
- 1920-vor 1935 - neuer, 21 m hoher Holzturm mit sechs Standpfeilern (Beobachtungs- und Signalturm)
- 1936-1946 - 35 m hoher Holzturm, vom Pionierbataillon aus Küstrin errichtet (mit einer Aussichtskanzel in 30 m Höhe zur Flugbeobachtung), am Fuße des Turmes wurde ein Blockhaus errichtet. Im Jahr 1946 brannte die Aussichtsplattform, der untere Teil des Turmes blieb erhalten
- 1944-1946 - zusätzlich 60 m hoher, viereckiger Stahlturm, der mit Spannseilen gesichert war. Um 1946 wurden die Spannseile gekappt und der Stahlturm stürzte bei einem Sturm ein.
- 1954-19?? - neuer, 28 m hoher Holzturm von Zimmerleuten der Firma O. Hartwig aus Fürstenwalde/Spree errichtet, ab 1956 wurde darauf eine Waldbrandwache eingerichtet. Wenige Jahre später wurde der morsche Turm gesprengt, als auf dem benachbarten Nickelsberg ein Radarturm errichtet wurde (1961/62 fertig gestellt)
- 1962-2000 - Anstelle des gesprengten Turmes wurde ein neuer, 25 m hoher Holzturm für trigonometrische Messungen errichtet. Das Bauwerk wurde am 29.04.2000 durch das THW gesprengt
- 2011-heute - Ein neuer, 39,70 m hoher Stahlturm wurde als Aussichtsturm errichtet
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1907 (S. 71 und S. 215)
- Berliner Architekturwelt, X. Jg. 1908, S. 401 (Chronik)
- Frankfurter Oder-Zeitung vom 22.03.1907, Nr. 69
- Gubener Zeitung (Beilage) vom 15.08.1907, Nr. 190
- Wolfgang Looschen (Förderverein Museum Fürstenwalde): Rauener Turmgeschichte(n) [Bericht um 1994 aus unbekannter Lokalzeitung]
- Infoblatt des Vorstands des Vereins "Bismarckturm" auf den Rauener Bergen, undatiert
- Schreiben von Florian Wilke (Stadt- und Kreismuseum Fürstenwalde (Spree) vom 09.10.1991
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2. Planung Bismarcksäule Groß Pankow-Retzin (Kreuzburg)
Im Jahr 1904 sollte in Kreuzburg eine Bismarcksäule errichtet werden. Im Frühjahr 1904 veranstaltete das königliche-evangelische Schullehrerseminar ein Konzert zum Besten der geplanten Bismarcksäule.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (Nr. 6, S. 3)
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3. Planung Bismarckturm Neubrandenburg
Ende März 1905 sollte mit dem Bau eines Bismarckturmes auf der Behmshöhe begonnen werden. Tatsächlich wurde ein 34 m hoher Aussichtsturm auf der Behmshöhe (ohne Namen oder Bezeichnung) errichtet, der heute noch erhalten ist. Es ist unklar, warum der Aussichtsturm trotz des Einsatzes lokaler Bismarck-Verehrer im Jahr 1905 nicht als Bismarckturm bezeichnet worden ist.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1905 (Nr. 5, S. 6; Nr. 8, S. 9)
- Schreiben des Regionalmuseum Neubrandenburg vom 22.03.1991
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4. Planung Bismarcksäule Neuruppin
In Neuruppin (Ostprignitz) sollte im Jahr 1903 eine Bismarcksäule errichtet werden. Landesbauinspektor Friedensreich fertigte im Dezember 1903 einen Entwurf für dieses Bauwerk, welches ca. 12.000 Mark kosten sollte.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (Nr. 1, S. 3)
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5. Planung Bismarcksäule Perleberg (Prignitz)
Anfang 1910 erschien im Kreisblatt für die Westprignitz ein Aufruf zur Errichtung einer Bismarcksäule des Kreises Westprignitz. Initiator war der Kreisausschuss des Kreises Westprignitz.
Am 01.04.1910 wurden die Einwohner von Perleberg vom Magistrat in einer öffentlichen Mitteilung darüber informiert, dass bezüglich des geplanten Baus für Spenden aus der Bevölkerung "Sammelstellen errichtet" werden.
Am 13.04.1910 betrug der Spendenstand 149 Mark, am 19.04.1910 insgesamt 396 Mark. Im Juni spendete der in Mexiko lebende Westprignitzer Kaufmann Erich Edelmann 100 Mark für den Bau der Bismarcksäule.
Die geplante Bismarcksäule wurde - vermutlich aus finanziellen Gründen - nie errichtet.
Nach 1930 entstand am geplanten Bauplatz der Bismarcksäule (Weinberg) das Schlageter-Denkmal.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1910 (S. 118)
- Schreiben des Stadtarchivs Perleberg vom 23.09.1991 und 17.10.1991
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6. Planung Bismarckwarte Prenzlau
Im Herbst 1904 wurde in einer Stadtverordnetenversammlung der Stadt Prenzlau beschlossen, eine Bismarckwarte am Uckerseekamp zu errichten. Federführend in dieser Sache war der lokale Bismarck-Verein mit dem Vorsitzenden, Landrat Helmuth von Maltzan (*1870-†1959), welcher Geldmittel für den Turmbau aufbringen wollte. Der Bau der Bismarcksäule wurde aus unbekannten Gründen nicht realisiert.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (Nr. 11/12, S. 10)
- Schreiben der Stadtverwaltung Prenzlau vom 14.10.1991
Kleine Bildauswahl geplanter Bismarcktürme in Brandenburg

Ansichtskartenmotiv geplanter massiver Bismarckturm Fürstenwalde

Ansichtskartenmotiv Gerüst Fürstenwalde (kein Bismarckturm)

Aufruf zur Errichtung einer Bismarcksäule des Kreises Westprignitz (Perleberg) im Jahr 1910
