Bismarckturm-Planungen Baden-Württemberg
Acht nicht realisierte Bismarckturm-Projekte
Auf dem heutigen Gebiet von Baden-Württemberg wurden neun Bismarcktürme errichtet. Acht geplante Bismarcktürme wurden nie realisiert.
In folgenden Orten sollten die Bauwerke gebaut werden:
- Boxberg (Baden)
- Breisach am Rhein
- Bruchsal
- Lindau
- Lörrach
- Müllheim im Markgräflerland
- Pforzheim
- Stockach
Nähere Angaben zu den Bismarckturm-Projekten in Baden-Württemberg
Von Boxberg (Baden) bis Stockach
1. Planung Bismarckturm Boxberg (Baden)
Im Juli 1910 plante der Verschönerungsverein Alt-Boxberg einen "Aussichtsturm auf dem Schloss". Am 29.08.1911 wurde ein Komitee für den Aussichtsturm auf dem Burgberg gegründet, der "den Namen Bismarckturm erhalten" soll.
Quellen
- Heft "Mein Boxberg", hrsg. vom Heimatverein, Heft 19/1984, Werner Palmert: "Aus der Geschichte des Heimatvereins Alt Boxberg"
- Badische Presse vom 30.08.1911, Nr. 401, S. 3
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1911, S. 167
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2. Planung Bismarcksäule Breisach (am Rhein)
Im Juli/August 1900 erschien in einer Lokalzeitung der "Aufruf zur Errichtung einer Breisgau-Bismarcksäule". Als Standort wurde der Eckardsberg genannt, der Standort Münsterberg wurde abgelehnt.
Quelle
- "Aufruf zur Errichtung einer Breisgau-Bismarcksäule", Zeitungsanzeige Juli oder August 1900
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3. Planung Bismarckturm Bruchsal
In einer bürgerschaftlichen Versammlung im Jahr 1911 wurde beschlossen, auf dem sog. Hirschmann, "dem höchsten und schönsten Aussichtspunkt nahe der Stadt" einen Bismarckturm mit einem Kostenvolumen von 10.000 Mark zu errichten. Es wurde die "Freie Vereinigung der Bruchsaler Bismarckfreunde" mit dem Ziel der Errichtung des Bismarckturmes gegründet. Im März 1912 wurde das Großherzogliche Bezirksamt bezüglich einer Genehmigung für die Sammlung von Spenden gefragt.
Im Juni 1912 wurde bereits ein Turm-Entwurf vom Großherzogl. Oberinspektor Dr. Fritz Hirsch der Öffentlichkeit präsentiert. Ende 1913 waren bereits über 9.000 Mark für den geplanten Turmbau gesammelt worden. Das Baugrundstück auf dem Hirschmann wurde von einem Mitglied der freien Vereinigung gespendet.
Die Planung wurde vermutlich aufgrund des einsetzenden Ersten Weltkrieges nicht realisiert.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1911 (S. 9); Jg. 1912 (S. 34), Jg. 1914 (S. 9-10)
- Bruchsaler Zeitung (Gratisbeilage): Bruchsaler Geschichtsblätter, Juni 1912 (mit Entwurfs-Zeichnung)
- Der Volksfreund vom 23.03.1912, Nr. 71, S. 2
- Mittelbadischer Courier vom 06.12.1913, Nr. 283, S. 1
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4. Planung Bismarckturm Lindau
Bereits im Jahr 1907 planten Bismarck-Verehrer, auf dem Hoyerberg, "der Südgrenze des Deutschen Reiches", einen Bismarckturm zu errichten. Das Vorhaben geriet 1907 in Gefahr, da das geplante Baugrundstück "in anderweitigen Besitz übergegangen war".
Am 12.06.1909 wurde auf einer Versammlung in der "Krone" von Bismarck-Verehrern beschlossen, auf dem Hoyerberg einen "architektonisch wirksamen Bismarckturm" zu bauen. Der bereits angesammelte Baufonds belief sich auf 23.000 Mark, die Stadt Lindau hatte sich mit "einem namhaften Betrag" an den Baukosten beteiligt.
Es wurde ein "Ausschuss zur Errichtung eines Bismarck-Denkmals" unter Ehrenvorsitz von Bezirksamtmann Graf Hirschberg gebildet. Aus diesem Ausschuss wurde ein Denkmalverein gegründet. Mitglied konnte jeder werden, der fünf Jahre lang je 3 Mark oder beim Eintritt direkt eine Pauschaule von 20 Mark zahlte. Die Gesamtbaukosten für den Turm wurden auf 250.000 Mark (!) geschätzt. Die Einweihung wurde auf den 01.04.1915 terminiert.
Im Jahre 1910 überließ Staatsrat von König in Ablwind das Baugelände kostenlos dem Denkmalsverein für den geplanten Turmbau.
Im Jahr 1913 stand das Großprojekt in Lindau in Konkurrenz zum geplanten Bismarck-Nationaldenkmal in Bingen am Rhein, an dessen Realisierung auch Graf Hirschberg aktiv mitwirkte [Anmerkung: Nationaldenkmal wurde nie errichtet, das Projekt wurde aber bis in die 1930er Jahre verfolgt].
Der Bismarckturm auf dem Hoyerberg wurde nie verwirklich, im Jahr 1931 wurde am Südhang des Hoyerberges ein
Bismarckdenkmal errichtet.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1907 (S. 44); Jg. 1909 (S. 127 + 160); Jg. 1910 (S. 61 + 117); Jg. 1913 (S. 95-96)
- Schreiben der Stadt Lindau (Werner Dobras) vom 09.06.1987
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5. Planung Bismarcksäule Lörrach-Tüllingen
Bereits im Jahr 1899 verhandelte der Lörracher Bismarck-Verein mit der Gemeinde Tüllingen (1935 in Lörrach eingemeindet) wegen des Ankaufs eines Bau-Grundstückes für eine geplante Bismarcksäule auf der Tüllinger Höhe. Die Gemeinde Tüllingen bot dieses Grundstück für 34 Pfennig pro Quadratmeter zum Kauf an.
Vierzehn Jahre später, im November 1913, fragte der Bismarck-Verein bei den umliegenden Gemeinden nach Spenden für die Errichtung einer Bismarcksäule auf der Tüllinger Höhe. Die Stadt Lörrach spendete daraufhin 500 Mark, 17 weitere Gemeinden zeichneten zwischen 5 und 50 Mark für das Turmbau-Projekt. Am 30. Juli 1914 stellte die Gemeinde dem Bismarck-Verein das Baugrundstück auf der Tüllinger Höhe kostenlos zur Verfügung.
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhinderte vermutlich die Fortsetzung weiterer Planungen.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1913 (S. 77); 1914 (S. 10)
- Freiburger Zeitung vom 25.07.1899, Nr. 170
- Badische Presse vom 30.07.1914, Nr. 347
- Durlacher Wochenblatt vom 31.07.1914, Nr. 176
- Baugesuch des Bismarkvereins [sic] Lörrach
- Grundrisse und Skizzen
- Schreiben der Stadt Lörrach vom 15.05.1987
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6. Planung Bismarckturm Müllheim im Markgräflerland
Im Jahr 1899 planten Bismarckverehrer in Müllheim, einen Bismarckturm zu errichten. Die Kreditkasse für den Amtsbezirk Müllheim stellte im Jahr 1899 insgesamt 500 Mark für den geplanten Bau zur Verfügung. In den Jahren 1900-1913 überwies die Kreditkasse weitere 1.500 Mark für den Bismarckturm. Auch der Schwarzwaldverein beteiligte sich im Jahr 1903 mit 200 Mark.
Die Stadt Müllheim kaufte in den Jahren 1912 und 1913 drei Rebgrundstücke für den geplanten Turm sowie für die Anlage eines Bismarckplatzes. Am 01.06.1914 wurde ein weiteres Grundstück zum selben Zweck gekauft. Der Kontostand für den Turmbau betrug nach einer weiteren Rechnung am 21.08.1915 nur noch 24,60 Mark. Aufgrund des Ersten Weltkrieges wurden die Planung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht fortgesetzt.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (S. 3)
- Schreiben der Stadt Müllheim (H. Hunziger) vom 05.04.1994
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7. Planung Bismarckturm Pforzheim
Im Jahr 1913 wurde ein Wettbewerb zur Erlangung eines geeigneten Entwurfs für einen Bismarckturm in Pforzheim auf dem Wallberg vom örtlichen Verschönerungsverein durchgeführt. Bis November 1913 wurden 32 Turm-Entwürfe eingereicht. Das Bauwerk sollte in Verbindung mit einem Wasserhochbehälter errichtet werden.
Mitte November 1913 mehrten sich Proteste gegen den geplanten Bauort, sodass der Erzkopf südlich der Stadt für den Bauplatz in Betracht gezogen wurde. Der beginnende Erste Weltkrieg verzögerte die weitere Planung, die nach Beendigung des Krieges aufgegeben wurde.
Quellen
- Badische Presse 11.11.1913, Nr. 525
- Karlsruher Tageblatt 21.11.1913, Nr. 323
- Deutsche Bauzeitung 1913, S. 856
- Schreiben Stadtarchiv Pforzheim (Dr. H.P. Becht) vom 23.03.1988
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8. Planung Bismarckturm Stockach
Der Stockacher Verkehrs- und Verschönerungsverein plante seit 1890 den Bau eines Aussichtsturmes auf der Wilhelmshöhe. Die Stadt Stockach beteiligte sich 1894 und dann jährlich ab 1898 mit 50 Mark am Baufonds. Auch der Verkehrs- und Verschönerungsverein spendete 50 Mark jährlich in den Baufonds, der bis 1910 auf 1.700 Mark angewachsen war.
Auf einer Generalversammlung des Vereins vom 18.04.1903 wurde zudem beschlossen, einen massiven Bismarckturm auf dem Heidenbühl bei Zizenhausen zu errichten. Baurat Otto Straub aus Karlsruhe spendete 500 Mark für dieses Vorhaben. Weiterhin wurden Veranstaltungen (Konzerte und Theatervorstellungen) gegeben und Ansichtskarten zu Gunsten des Baufonds veröffentlicht. Bis 1910 wurden somit 1.464 Mark angespart.
Auf der Generalversammlung am 02.06.1910 wurde beschlossen, auf den Bau des Aussichtsturms auf der Wilhelmshöhe zu verzichten und stattdessen die angesparten Gelder für den massiven Bismarckturm auf dem Heidenbühl zu nutzen. Die Fertigstellung des Bauwerkes wurde auf den 01.04.1915, den 100. Geburtstag von Otto von Bismarck, terminiert.
Am 01.09.1911 wurde ein 24 m hohes Probegerüst am avisierten Turmstandort aufgestellt, um die Fernwirkung zu testen.
Ein erneuter Spendenaufruf für dieses Projekt brachte bis Sommer 1912 lediglich knapp 1.150 Mark ein. Zudem kam es innerhalb des Vereins zu Meinungsverschiedenheiten über den Standort des Turmes.
Am 13.11.1912 wurde auf der Generalversammlung beschlossen, am Standort auf dem Heidenbühl (Bismarckhöhe) festzuhalten, das Projekt aber erst anzugehen, wenn die notwendigen finanziellen Mittel vorhanden waren. Durch den Ersten Weltkrieg wurden alle Pläne zurückgestellt, doch auch in den Kriegsjahren wurde weiter für den geplanten Bismarckturm gespendet.
Bis zum 01.01.1923 war der Baufonds auf 10.622 Mark angewachsen. Aufgrund der einsetzenden Hyperinflation und der dadurch bedingten Geldentwertung kam der Bau des Bismarckturmes nie zustande.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (S. 3); Jg. 1911 (S. 169)
- Badische Presse vom 01.09.1911, Nr. 406; 11.04.1912, Nr. 168
- Mittelbadischer Courier vom 02.09.1911, S. 1
- Schreiben des Stadtarchivs Stockach (Hans-Günther Bäurer) vom 11.05.1987
Kleine Bildauswahl geplanter Bismarcktürme in Baden-Württemberg

Zeichnung geplanter Bismarckturm Bruchsal

Ansichtskartenmotiv geplanter Bismarckturm Stockach
